Baustoffhandel

Putz und Beton bis nach Polen

Glinde. Sobald das Thermometer über fünf Grad Celsius klettert, freut sich Matthias Sacher. Denn dann steht das Telefon nicht mehr still und viele Kunden erteilen ihm Aufträge. "Die Bausaison hat begonnen. Handwerksbetriebe bestellen Putz, Beton und Steine", sagt der Geschäftsführer des gleichnamigen Baustoffhandels.

Seit zwei Wochen läuft das Telefon an der Möllner Landstraße 128 wieder heiß. Die 33 Mitarbeiter packen Baustoffe zusammen, laden sie auf und fahren die Bestellungen auf Baustellen an den Hamburger Flughafen, in die Hafencity oder auch mal bis nach Polen. "Je nachdem, wo unsere Kunden die Ware verbauen wollen und solange sich die Anfahrt für uns lohnt", sagt Sacher.

Viele Wege führten in den vergangenen Jahren in die beiden Neubaugebiete Olande und An der alten Wache. Hier werden derzeit die letzten Flächen bebaut. Aber Sacher macht sich um die Zukunft dennoch keine Sorgen: "Der Wohnraum ist in der Metropolregion nach wie vor knapp", sagt der Unternehmer. Ein Eigenheim werden sich in Zukunft nicht mehr so viele Menschen leisten können: Laut Statistischem Bundesamt stiegen die Kosten im Wohnungsbau für Lohn und Material allein in den vergangenen sieben Jahren um 17 Prozent. In diesem Jahr haben die Produzenten ebenfalls eine Preissteigerung von drei bis 15 Prozent angekündigt.

Um den Preisanstieg aufzufangen, bleibt dem 44-Jährigen nur, gut zu kalkulieren. Dafür hat er nicht immer viel Zeit, denn manchmal muss die Bestellung innerhalb einer Stunde auf der Großbaustelle sein, damit die Arbeit nicht ruht. "Da kommen wir ganz schön ins Rotieren", sagt der Glinder, der vor fünf Jahren das Unternehmen von seinem Vater übernommen hat. Jetzt im Frühjahr, der Hoch-Zeit im Bau, wird es wieder öfter stressig. Von seinen Kunden weiß Sacher, dass die Auftragsbücher voll sind.

Neben Handwerkern kaufen bei Sacher auch viele Privatleute Nägel, Farben und Pinsel. Derzeit greifen viele zu Frühlingspflanzen, Sträuchern und Grassamen für ihre Gärten. Vor einem Jahr eröffnete Sacher neben der 1500 Quadratmeter großen Halle ein 4000 Quadratmeter großes Gartencenter, in dem es neben dem Zubehör für Teiche auch zahlreiche Gartenhäuschen gibt. Letztere sind laut Sacher der moderne Ersatz für einen Keller in neuen Eigenheimen.

Matthias Sacher kann sich noch gut daran erinnern, als sein Vater und sein Onkel 1985 den Firmensitz an der Möllner Landstraße bezogen: "Von drei Seiten waren wir von Bundeswehr umgeben. Damals blickten wir auf hässliche Hallen, heute auf schöne Häuser." Allerdings hat die neue Nachbarschaft nicht nur Vorteile: Konnten die Mitarbeiter schon morgens um 5 Uhr mit dem Gabelstapler über den Hof rasen und Baustoffe verladen, fangen sie jetzt eine Stunde später an und arbeiten in den Abend hinein.