Überschwemmungen

Entwässerung ohne Grenzen

Havighorst. Wasser schert sich nicht um Landesgrenzen: Es fließt immer bergab. Deshalb hat Bergedorfs Wohnungsbauprogramm auch direkte Folgen für Havighorst - unabhängig davon, ob Bergedorfs Neubaugebiete an die Landesgrenze stoßen oder über die Grenze hinweg gebaut werden.

"Denn Verdichtung heißt immer, auf einen Schlag mehr Wasser ableiten zu müssen", sagt Karl Heinz Mentzel, Vorsitzender des Wasser- und Bodenverbandes (WBV) Glinder Au-Wandse und Ex-Bürgermeister Oststeinbeks. "Wenn Lohbrügge wächst, also weitere Oberflächen versiegelt werden, müssen Havighorsts Rohre und Kanäle noch mehr Wasser aufnehmen." Er hat jetzt einen Lösungsvorschlag für das Problem - über alle Landesgrenzen hinweg.

Das erste Baugebiet, das Bergedorf zwischen den Straßen Tienrade, Haempten und Reinbeker Redder in Richtung der Havighorster Ziegeleistraße geplant hatte, hat Oststeinbek abgelehnt. Daraufhin legte Hamburg es zu den Akten. Auf dem Prüfstand ist derzeit aber noch ein zweites Gebiet nördlich der Einmündung Mendelstraße in den Reinbeker Redder. Das bestätigt auch Axel Schneede vom Fachamt für Stadt- und Landschaftsplanung in Bergedorf. Es sei bekannt, dass Oststeinbek die Bebauung auf seinem Gebiet ablehne. "Wir müssen sehen, dass wir das Wasser auf Hamburger Areal ableiten", sagt er.

Mentzel hat eine bessere Idee: "Es gibt zwei Schwachstellen bei der Ableitung des Regenwassers. Der erste kritische Punkt ist der Übergang vom Entwässerungsgraben in ein Rohr Am Ohlendiek in Havighorst. Der zweite liegt kurz vor der Grenze zu Mümmelmannsberg, wo ein Rohr im rechten Winkel abknickt." An diesen Stellen komme es bei starken Regenfällen bereits zu Stauungen und Überflutungen. "Solche Starkregen gibt es mittlerweile fast alle zwei Jahre. Die Durchschnittsmenge des Niederschlags ist aber gleich geblieben", erklärt Menzel. Zusätzliche Neubaugebiete würden bedeuten, dass weniger Wasser versickern kann und noch mehr abgeleitet werden muss.

Sein Vorschlag: Statt durch das Rohr Am Ohlendiek mit starrem Durchmesser könnte das Wasser aus Lohbrügge durch einen offenen, naturnahen Graben südlich der Gleise geleitet werden. Der würde in das Regenrückhaltebecken münden. Anschließend würde das Wasser wiederum in einem Graben entlang der Landesgrenze nach Norden zum Hollgraben geführt, der schließlich in die Glinder Au mündet. So könne das starre Rohr Richtung Mümmelmannsberg umgangen werden. Außerdem sei die naturnahe Entwässerung auch von den Behörden gewünscht.

"Die Gräben sind zwar pflegeintensiver, aber flexibler bei der Wasseraufnahme als Rohre", weiß Mentzel. "Außerdem nimmt die Fließgeschwindigkeit in den Gräben ab." Die Kosten in Höhe von bis zu 400 000 Euro, so sein Vorschlag, sollte als Verursacher Hamburg tragen.