Vereinsauflösungen

Die Rettung des Ehrenamtes

Oststeinbek. Bridge-Abende gibt es nicht mehr, Konzerte sind nur noch in Hamburg zu erleben und der Mutter-Kind-Treff ist geschlossen. Jeder macht seins, weil es keine kulturellen und sozialen Angebote mehr gibt.

Dieses Szenario wollen Oststeinbeks Politiker auf jeden Fall verhindern. "Es besteht dringender Handlungsbedarf, die kulturellen Einrichtungen zu erhalten", heißt es in einer Mitteilung der CDU-Fraktion, die am Montag im Kulturausschuss diskutiert wurde. CDU-Fraktionschef Hans-Joachim Vorbeck: "Wir können nicht tatenlos zuschauen, wie Oststeinbek kulturell stirbt."

Hintergrund ist die Auflösung des Bürgervereins Havighorst und die drohende Auflösung der Awo. "Beide Institutionen sind enorm wichtig", sagt Vorbeck. "Wenn es die Awo hier nicht mehr gibt, sind da etwa 170 Oststeinbeker, die keine inhaltliche Heimat mehr haben." So viele besuchen regelmäßig die Angebote des Verbandes.

Jetzt machen sich die Politiker aller Fraktionen Gedanken darüber, wie man den Oststeinbekern, die bisher in diesen Vereinen waren, inhaltlich eine neue Heimat geben kann und wie bestehende Vereine dabei helfen können. Die Aktivitäten der Awo könnten in den Seniorenbeirat integriert oder beim Roten Kreuz untergebracht werden. Den Vorschlag der CDU begrüßt Seniorenbeiratsvorsitzender Dieter Schlenz allerdings nicht. "Das ist nicht unsere Aufgabe und wir haben personell schon genug Probleme."

Eine andere Möglichkeit wäre die Gründung eines Sozialvereins, der die Aktivitäten koordiniert. Aber auch hier müsste sich ein Vorstand finden. Genau daran scheitert jedoch derzeit die Awo. Und deshalb mussten sich der Bürgerverein Havighorst und einst der Partnerschaftsverein auflösen.

Überlegt wird auch, eine Planstelle zu schaffen, die die bisherigen Aufgaben der Awo und des Bürgervereins übernimmt. "Die Lösung kann ruhig auch ein wenig Geld kosten", findet CDU-Chef Vorbeck. Die Zahl der Mitglieder ist zwar in den meisten Vereinen und Verbänden konstant. Nur für die Vorstandsarbeit findet sich immer seltener jemand. "Wir haben große Mühe, vor allem die 30- bis 40-Jährigen zu aktivieren", sagt Irene Kastner, Fraktionsvorsitzende der SPD.

Immerhin hat die Gemeinde in den vergangenen fünf Jahren 2800 Neubürger bekommen. Das ist fast ein Viertel der Gesamteinwohnerzahl. Das Interesse an ehrenamtlichem Engagement im neuen Wohnort konnte bisher aber nur bei wenigen geweckt werden.

Verschärft wird das Problem, weil immer mehr Leute, die sehr lange ehrenamtlich gearbeitet haben, jetzt aufhören. Das betrifft unter anderem Manfred Kuchta, Vorsitzender des Kulturrings, der bislang vergeblich einen Nachfolger sucht. "Wenn sich noch mehr Vereine auflösen, bleibt hier bald nur noch Verwaltung übrig", fürchtet Kastner. Abhilfe soll eine Ehrenamtsmesse schaffen, wie sie Bürgervorsteher Hendrik Maier anregt. Hier sollen sich die Vereine und Verbände den Neubürgern vorstellen. "Meine Definition von Ehrenamt ist mehr, als beispielsweise für einen Kitaplatz zu kämpfen. Es geht über die eigenen Interessen hinaus, mit dem Fokus nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf andere." Einen Termin für die Messe gibt es bisher noch nicht. Im Gespräch ist Ende dieses Jahres.

Beim nächsten Hauptausschuss am 12. März werden die Fraktionen weiter über Lösungsvorschläge zur Rettung des Ehrenamtes diskutieren.

"Wir können nicht tatenlos zuschauen, wie Oststeinbek kulturell stirbt." Hans-Joachim Vorbeck, CDU-Fraktionschef