Neuerscheinungen

Gute Bücher finden sich auch jenseits der Bestsellerliste

Glinde (aha). Die "Spiegel"-Bestsellerliste ist ein guter Ratgeber, aber sie ist nicht das A und O für Thomas Patzner, den kommissarischen Leiter der Stadtbücherei. "

Neue Bücher wählen wir nicht nur nach dem 'Spiegel' aus, denn die dort empfohlenen Bücher werden hochgejubelt. Wir versuchen, Titel zu finden, die über längere Zeit Gehalt haben."

"Schoßgebete" von Charlotte Roche zähle ganz gewiss nicht dazu. Das Buch hat zwar seit Wochen einen Platz auf der Bestenliste, und die Bücherei hat es auch im Bestand. "Aber nur damit man weiß, worüber man so spricht", sagt Patzner. Empfehlen würden er und seine Mitarbeiter es ihren Lesern aber nicht. Wirklich lesenswerte Neuerscheinungen wollen sie in Zusammenarbeit mit Dr. Marlies Lehmann, Leiterin der VHS, jetzt regelmäßig in der Bücherei vorstellen.

Patzner und seine Mitarbeiter kennen unterschiedliche Wege, um an lesenswerte Bücher zu kommen. Sie informieren sich über einen Rezensionsdienst, der lektorierte Bücher zusammenfasst. Patzner schwört außerdem auf die Glinder Bücherkate. "Die Buchhändler dort kennen die wichtigsten Neuerscheinungen und wissen, wovon sie reden." Auch die Frankfurter Buchmesse sei ein guter Fundus.

Und natürlich richte man sich auch nach der "Spiegel"-Bestsellerliste. Für die werden wöchentlich 350 Buchhandlungen in ganz Deutschland elektronisch abgefragt, eine davon in Geesthacht. Die Stadtbüchereien erhalten die beliebten Bücher schon einige Tage bevor die Liste erscheint. "Wir bekommen Freitag die Bücher, die Montag im 'Spiegel' stehen", sagt Patzner.

Zu den Büchern, die vorgestellt werden, zählen "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" von Jonas Jonasson und Eugen Ruges "In Zeiten des abnehmenden Lichts". Lehmann, die die Bücher gelesen hat, wird auch Passagen aus "Das Meer in Gold und Grau" von Veronika Peters vorlesen. Die Mitarbeiter der Bücherei lesen nicht alle Bestseller. "Wir schöpfen zum Teil aus den Erfahrungen unserer Leser und fragen, wie sie die Bücher fanden", sagt Thomas Patzner.

Für neue Bücher werden jährlich etwa 22 000 Euro ausgegeben. Einen Teil davon übernimmt die Stadt, der Rest kommt vom Land. Die Stadt verhandelt derzeit um höhere Zuschüsse. Dafür muss die Bücherei verschiedene Kriterien erfüllen. Längere Öffnungszeiten gibt es bereits. Und die Qualität und Auswahl der Medien muss stimmen. Im vergangenen Jahr wurde die Bücherei um fast 3000 neue Medien erweitert, etwa 3700 alte wurden ausgemustert. Die Zahl der Neuanmeldungen ist im Vergleich zum Vorjahr um etwa 200 auf 429 gestiegen.

Neuerwerbungen werden am Donnerstag, 2. Februar, ab 18.30 Uhr im Foyer des Bürgerhauses, Markt 2, vorgestellt. Eintritt frei.