Integration

Mahmoud Ahmed ist Vorzeige-Imam

Glinde. Muslimische Geistliche, die Deutsch sprechen, gehören in der Bundesrepublik noch zu den Ausnahmen. Die meisten von ihnen kommen aus der Türkei, beherrschen die deutsche Sprache kaum und haben nur geringe Kenntnisse über den Lebensalltag bei uns.

Mahmoud Ahmed hingegen ist eine Ausnahme. Der Theologe ist einer von zwei Imamen der islamischen Gemeinde Glinde und hat sogar Germanistik studiert.

Sein Kollege Resul Kizilkaya kommt aus der Türkei und spricht überwiegend türkisch, Ahmed stammt aus Ägypten, hat neben Islam- und Religionswissenschaft auch Germanistik in Kairo und Hamburg studiert und promoviert in Islamwissenschaft. Beide Imame sind sogenannte Vorbeter und beraten die rund 100 Gemeindeglieder in religiösen Fragen, die das tägliche Leben betreffen. "Das fängt bei einer Hochzeit an und hört beim Kredit für den Autokauf auf Kredit", so Ahmed. Denn laut Koran ist der Kreditkauf verboten.

Während sein türkischer Kollege ständig in der Gemeinde am Tannenweg vor Ort ist, kommt Ahmed nur am Freitagabend und am Wochenende. Dann betreut er die Gruppe muslimischer 16-Jähriger, bringt ihnen den Koran näher oder diskutiert mit ihnen über die Veränderungen in der arabischen Welt. "Ich bin nicht nur Vorbeter, sondern auch Seelsorger, Lehrer, Übersetzer und Berater", sagt Ahmed. Damit leiste er einen wichtigen Beitrag zum Integrationsprozess. Zwei Voraussetzungen bringe er dafür mit: die Kenntnis der deutschen Sprache und Gesetze. Dass es ohne beides nicht geht, hat er am eigenen Leib gespürt. Vor elf Jahren kam er nach Deutschland und hatte als junger Muslim einen Kulturschock. "Ich dachte, ich komme in ein christliches Land und fand leere Kirchen." Lange habe er gebraucht, um das zu verstehen. Heute lebt er mit Frau und Kindern in Hamburg, denkt über einen Umzug nach Glinde nach.

Mit seiner Kenntnis der Sprache, seiner deutschen Hochschulausbildung erfüllt der 38-Jährige die Anforderungen von Innenminister Thomas de Maizière an einen Leiter muslimischer Gemeinden. Der Minister möchte, dass die Geistlichen als Multiplikatoren an hiesigen Hochschulen in Deutsch, Landeskunde und Religionspädagogik ausgebildet werden. Die Universitäten Tübingen und Münster/Osnabrück sind seit Oktober 2010 Zentren islamischer Studien und werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Die Uni Frankfurt soll im Frühjahr hinzukommen.

Und genau an eine dieser Universitäten zieht es den Glinder Islamwissenschaftler auch. Noch schreibt er an seiner Dissertation. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter möchte er deutschen Studenten den Islam, den Imamen die europäische Lebens- und Denkweise nahebringen.