Rodungsarbeiten

Pferdestärke statt Maschinen

Glinde. In Teilen des Stadtwaldes sieht es derzeit aus, als wäre ein Rudel Wildschweine durchgerannt. Tiefe Krater klaffen da im Waldboden. Doch nicht Wildschweine sind hier unterwegs, sondern Thomas Isenberg mit seinen Pferden. Der Holzrücker aus Travenhorst arbeitet mit seinen Tieren überall dort, wo Maschinen nicht mehr w

eiterkommen. Mit drei Pferden - zwei Wallachen und einem Hengst - der Rasse Schleswiger Kaltblutpferde befreit der 56-Jährige den Stadtwald von der Spätblühenden Traubenkirsche. "Diese amerikanische Baumart verbreitet sich in unseren Wäldern wie Unkraut. Dabei verdrängt sie heimische Arten wie Birken, Lärchen und Eichen", sagt Bezirksförster Lüder Bendig.

Vier bis 14 Jahre sind die Bäume alt, die Isenberg mit Hilfe von zwei Mitarbeitern und der Stärke seiner Pferde aus der Erde reißt. Innerhalb von drei Tagen roden sie auf einer Fläche von einem Hektar rund 2500 Bäume. Zuerst köpft Mitarbeiter Sascha Schramm die zum Teil über zwei Meter hohen Bäume mit einer Motorsäge, dann legen Thomas Isenberg und Gerd Hutzfeld ein Seil um den stehen gebliebenen Stamm und lassen die Pferde anziehen. Wenn nötig in mehrere Richtungen, falls die Wurzel sehr fest gewachsen ist. Meist ist der Baum samt Wurzeln in wenigen Sekunden aus der Erde gerissen. Zurück bleibt ein Krater, der teilweise einen halben Meter tief reicht. "Wichtig ist, dass das Wurzelwerk komplett draußen ist, damit sich keine neuen Triebe entwickeln", weiß Isenberg aus jahrelanger Erfahrung als Holzrücker.

Die Pferde ertragen die Anstrengung mit viel Geduld. "Die Schleswiger sind dafür bekannt, dass sie ausdauernd, arbeitsam und vor allem sehr gutmütig sind. Nicht umsonst heißen sie Kaltblüter", so Isenberg. Mit der Körpertemperatur habe das aber nichts zu tun, die sei bei Kaltblütern sogar ein halbes Grad Celsius höher als bei Warmblütern. Gemeint ist das ruhige Temperament.

20 Pferde aus eigener Zucht hat Isenberg auf seinem Biohof stehen. Die Zucht hat er von seinem Vater übernommen, der als Retter dieser Rasse in Schleswig-Holstein gilt. Isenberg weiß, was er an den Tieren hat: "So schnell kann keine Maschine arbeiten, und vor allem machen die Pferde den Waldboden nicht kaputt." Da, wo jetzt Lücken sind, werden im Frühjahr Buchen und Ahornbäume nachgepflanzt, informiert der Bezirksförster.

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