Schulmensa

Bleibt die Schulküche ab Oktober kalt?

Glinde. Gabriele Ix steht in der kleinen Küche des Schulzentrums, wäscht Töpfe ab, zählt Teller. Die 49-jährige Kochmutter bereitet die Mensa auf das neue Schuljahr vor. Zusammen mit 15 anderen Frauen wird Ix wieder viermal pro Woche, von Montag bis Donnerstag, dafür sorgen, dass hungrige Schüler ein warmes Mittagessen in den Bauch bekommen.

Doch nur noch bis Oktober, dann hört Ix mit dem Kochen auf. "Mein Sohn hat die Schule abgeschlossen. Es besteht kein Grund mehr, weiterzumachen", sagt die Glinderin. Für die Zukunft der Schulmensa bedeutet das nichts Gutes: "Gabriele hat hier alles koordiniert, hat auf Elternabenden um Nachwuchskräfte für die Kochmütter geworben, sie war zur Stelle, wenn der Kühlschrank kaputt ging und raste das ein oder andere Mal in den Supermarkt, wenn der Lieferant die Zutaten fürs Mittagessen schuldig blieb", berichtet Heike Appelbaum, ebenfalls eine Kochmutter.

Ix ist immer zur Stelle, auch außerhalb der Schulöffnungszeiten. Appelbaum befürchtet nicht ohne Grund, dass mit ihrem Weggang das Chaos in der Schulmensa ausbrechen und die Küche sogar ganz kalt bleiben könnte. "Seit zwei Jahren habe ich immer wieder die Schulleitung darauf hingewiesen, dass ich aufhöre und jemand Neues gefunden werden muss. Doch gekümmert hat sich niemand", sagt Gabriele Ix enttäuscht.

Es gebe zwar in den Reihen der Kochmütter Freiwillige, die die ihre Aufgaben übernehmen würden, aber nicht ohne ein Entgelt. Dafür sei der Aufwand und der Zeiteinsatz zu hoch. Denn im Gegensatz zu den anderen Kochmüttern, die einmal im Monat an einem Tag für rund 120 Schüler und Lehrer Fleisch schneiden, Kartoffeln schälen und Gemüse putzen, ist Ix an vier Tagen pro Woche rund vier Stunden vor Ort. "Das ist für ein Ehrenamt eindeutig zu viel", weiß die gelernte Rechtsanwaltsgehilfin und heutige Hausfrau selbst.

Deswegen hat der Schulverein - der Träger der Mensa - auch einen Antrag auf Einstellung einer Haushaltshilfe im Kulturausschuss gestellt. Der wird derzeit noch geprüft, eine Entscheidung wird es aber nicht vor Oktober geben. Dennoch weiß Sabine Johannsen, Sachgebietsleiterin Kultur und Schule, schon jetzt, dass eine Bewilligung eher unwahrscheinlich ist. "Wir haben weder eine Stelle im Stellenplan noch Geld in der Kasse."

Doch so einfach könne sich der Schulträger nicht aus der Verantwortung ziehen, sagt Ix, schließlich sind die Schulen seit der Einführung von G8 verpflichtet, für Schüler mit Nachmittagsunterricht ein Mittagessen vorzuhalten. Da müsse sich die Stadt eben etwas anderes einfallen lassen. Sie zumindest bietet an, ihrer Nachfolgerin beim Einarbeiten behilflich zu sein.

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