Was bedeutet eigentlich Heimat?

Von Timo Jann

Geesthacht
Was ist Heimat? Eine Frage, die zurzeit Millionen Menschen umtreibt. Viele flüchten wegen Krieg und Armut aus der Heimat, andere fürchten wegen dieser Flüchtlinge um ihre Heimat.

Die ARD widmet gemeinsam mit dem deutschen Volkshochschulverband dem Thema Heimat ab Montag, 4. Oktober, eine Themenwoche und wird in Fernsehen, Radio und Internet vielfältige Beiträge zur öffentlichen Debatte über das Thema Heimat beisteuern. Auch Geesthachts Volkshochschule (VHS) beteiligt sich mit einem Programm vor Ort an dem Thema.

Helmut Knust vom Heimatbund und Geschichtsverein wird auf Einladung von VHS-Leiterin Gesa Häsler am Dienstag, 6. Oktober, im Gemeindezentrum am Spakenberg über "Geesthacht nach 1945" berichten. "Nach 1945 hatten wir eine sehr ähnliche Situation mit Flüchtlingen wie aktuell, auch wenn es damals materiell noch viel schlimmer war", erzählt Knust. Der 69-Jährige ist in Hamwarde aufgewachsen. Er erinnert sich daran, dass früher in den Klassenbüchern der Hamwarder Schule die Kinder mit Zusätzen wie E für Einheimischer, V für Vertriebener und F für Flüchtling markiert waren. Knust lernte von den Flüchtlingen Hochdeutsch, er selbst sprach bis dahin nur Plattdeutsch.

Etwa 30 000 Flüchtlinge reisten damals durch die Region, 10 000 blieben hier. "Die Fluchtbewegung hatte schon 1944 begonnen und setzte sich nach Kriegsende fort", berichtet Knust. Geesthacht war nach Kriegsende unter Führung von Bürgermeister Carl Bung (SPD) ein Notstandsgebiet, die Industrie, die während des Kriegs noch 20 000 Arbeitsplätze geboten hatte, lag brach. Am Grünen Jäger, am Teichberg in Grünhof, in der Oberstadt und im Bereich Sandstraße gab es große Lager, in denen die Flüchtlinge lebten. Aktuell plant die Stadt an der Mercatorstraße die Unterbringung von mehr als 500 Flüchtlingen und Asylbewerbern. "Erst mit dem Wirtschaftswunder wurden die letzten behelfsmäßigen Unterkünfte aufgehoben", erzählt Knust. Im Stadtarchiv finden sich heute viele Bilder, Pläne und Dokumente aus dieser Zeit, die Knust während seines Vortrags zeigen wird.

"Das verspricht ein sehr interessanter Vortrag zum Thema Heimat in Geesthacht zu werden", sagt Gesa Häsler. "Es war nach 1945 möglich, die Flüchtlinge zu integrieren, vielleicht können wir davon für die aktuelle Situation auch noch etwas lernen", meint sie. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei, es wird aber um eine Spende zugunsten der Kirche gebeten.

Einen weiteren Vortrag wird es am Donnerstag, 8. Oktober, geben. Um 18 Uhr wird der frühere Realschullehrer Werner Tepper zur Geesthachter Orts- und Stadtgeschichte in der VHS am Buntenskamp sprechen. Er wird die Zeitspanne vom mittelalterlichen Dorf bis zum Sprengstoffstandort erläutern.