Modernisierung mit Abrissbirne

Von Timo Jann

Geesthacht.
Gerade einmal sechs Jahre ist das Gebäude des Aldi-Marktes gegenüber der Schleuse alt - und dennoch ist der Discounter voraussichtlich Anfang kommenden Jahres ein Fall für den Abrissbagger. Weil Aldi seine Filiale in Düneberg vergrößern und modernisieren will, wird das Gebäude überraschend abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Bisher war nur von einer Erweiterung in der Größenordnung zwischen 200 und 400 Quadratmetern die Rede. Doch jetzt stellte Aldi-Expansionsleiter Andreas Krzystik im Geesthachter Planungsausschuss die Ideen für den kompletten Neubau vor.

Hintergrund ist der immer härter werdende Wettbewerb zwischen Aldi, Sky, Edeka, Penny, Norma, Lidl und Famila, die um die Gunst der Kunden buhlen. Zusammen verfügen die Handelsketten über etwa 20 000 Quadratmeter Verkaufsfläche in Geesthacht. "Wir haben vor drei Jahren unsere Standorte bewertet und unser Geschäftsmodell analysiert", erklärte Krzystik. Ergebnis: Die Stammkunden von Aldi werden immer älter, junge Familien könne man kaum für den Einkauf begeistern. "Wir richten uns deshalb neu aus", sagte Krzystik. Und obwohl der Markt an der Schleuse erst 2009 errichtet wurde, gilt er als "Markt nach altem Konzept", so Krzystik. Er soll deshalb weg.

Aldi hatte 2009 durch den Neubau einen Markt an der Spandauer Straße neben der Bäckerei Zimmer ersetzt. Der war dem Unternehmen damals zu versteckt gelegen. Der Standort wurde aufgeben, obwohl die Filiale nach einem Brand erst kurz zuvor wieder neu aufgebaut worden war.

Krzystik stellte im Ausschuss vor, wie der verkehrsgünstig gelegene Discounter aussehen soll. Schon die 139 Parkplätze werden künftig 2,80 statt bisher 2,50 Meter breit sein, um das Einkaufen schon beim Parken bequemer zu machen. Innen soll es mehr Tageslicht, breitere Gänge und weniger hohe Regale geben.

Auf dem Dach ist eine Fotovoltaikanlage vorgesehen, zusammen mit einer Wärmepumpe soll sie Energie sparen und den Gasanschluss überflüssig machen. "Wir standen bisher eher auf der Bremse, während der Wettbewerb Gas gegeben hat", berichtete Krzystik. Damit soll jetzt Schluss sein.

Hildegard Adamofski aus dem Stadtplanungsamt erklärte den Ausschussmitgliedern, dass der vergrößerte Aldi-Neubau mit 1400 statt bisher 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche nach Einschätzung von Gutachtern keine negative Wirkungen auf die anderen Einkaufsmärkte und die Innenstadtgeschäfte haben werde. Allerdings lässt der Bebauungsplan diese Vergrößerung der Verkaufsfläche aktuell nicht zu. Die Politik musste deshalb der Änderung des B-Plans zustimmen - und tat dies. Aldi kann seine Pläne vorantreiben.

Dass das Vorhaben des Discounters ökologisch fragwürdig ist, spielte dabei für Geesthachts Politiker keine Rolle. Die Grünen freuen sich über die zugesagt Fotovoltaikanlage und die CDU ist zufrieden, weil eventuell eine Elektroauto-Stromtankstelle installiert werden soll. Die Umweltbelastung durch Abriss und Entsorgung des erst sechs Jahre alten Aldi-Gebäudes geriet dabei aus dem Blick.