Geesthachter Fundstück

Mit Kalksandstein zum Ehrenbürger

Auszeichnung blieb bislang einzigartig

Bierzapfer, Kahnschiffer sowie Korbflechter und Gemüsehändler - Wilhelm Holert hatte im Laufe seines Lebens viele Berufe. Doch der am 15. August 1867 geborene Sohn einer alteingesessenen Geesthachter Schifferfamilie ist vor allem wegen seines unternehmerischen Wagemuts weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus bekannt. 1904 gründete Holert zusammen mit dem Hamburger Bauunternehmer I.D. Fahrenkrug die Hartsteinwerke Geesthacht-Hamburg. Im April 1905 startete die Produktion. Ihr Verkaufsschlager: weiße Kalksandsteine. Die "weißen Steine" aus dem Sand der Geesthachter Dünen wurden anfangs mit Skepsis betrachtet, entwickelten sich aber im wirtschaftlichen Aufschwung der Gründerzeit zu einem echten Konkurrenten für die roten Backsteinziegel.

"Für seinen Unternehmergeist wurde Holert am 25. März 1955 beim 50. Firmenjubiläum zum Ehrenbürger der Stadt Geesthacht ernannt. Bis heute der einzige Ehrenbürger unserer Stadt", sagt Geesthachts Museumsdirektor Wolf-Rüdiger Busch. Die entsprechende Urkunde mit dem Siegel der Stadt befindet sich im Stadtarchiv. Holerts Familie gab diese nach seinem Tod im Jahr 1961 an das Stadtarchiv zurück. "Das ist gut so, es gab schon Fälle, wo ein solch wichtiges Zeugnis der Zeitgeschichte einfach verloren ging", erklärt Helmut Knust vom Heimat- und Geschichtsverein.

Im Falle der Ehrenurkunde wäre dies ein herber Verlust für die Geschichtswissenschaft. "In unseren Nachforschungen über die Urkunde sind wir auf einen Lieferschein einer amerikanischen Dependance gestoßen", so Busch. Insgesamt wurden in den Brennöfen der Hartsteinwerke 1,1 Milliarden der "weißen Steine" gebrannt. Ein Teil davon wurde auch im Empire State Building in New York verbaut.

Heute findet man von der ehemaligen Fabrik keine nennenswerten Überbleibsel mehr. Nachdem 1998 die Produktion eingestellt wurde, verfielen die Gebäude und wurden letztendlich abgerissen. Lediglich der Pier der Binnenschiffe für den Abtransport der Kalksteine dient heute dem Salonschiff "Aurora" als Liegeplatz. Die Stadt Geesthacht ehrte ihren einzigen Ehrenbürger 2012 noch einmal: Am 12. Dezember 2012 wurde eine Straße im Neubaugebiet Finkenweg Ost dem Kalksandsteinfabrikanten gewidmet.

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