Geesthacht

Analysen und "Kampfstoffe"

Labor Dr. Kramer: Blick hinter die Kulissen des Betriebs - 13 000 Aufträge pro Tag

Greifen Sie mittags für den schnellen Imbiss gern auf einen dieser praktisch verpackten, eingeschweißten Salate zurück? Dann ist in Sachen Gesundheit Vorsicht geboten. "Denn die abgepackten Beutel werden von uns unter mikrobiologischen Gesichtspunkten auch schon mal als 'Kampfstoff' eingeordnet", sagt Dr. Burkhard Schütze. Sein Tipp: Den Salat unbedingt vor dem Verzehr mit Wasser spülen. Er muss es wissen, schließlich ist er Chef-Lebensmittelanalytiker beim Labor Dr. Kramer in Geesthacht. Das Labor untersucht hauptsächlich medizinische Proben von Patienten, aber auch Lebensmittel-, Wasser- und Umweltproben.

Dorthin hatte die Wirtschaftliche Vereinigung Geesthacht ihre Mitglieder zu einer Betriebsbesichtigung eingeladen. Solche Angebote gibt es bis zu sechs Mal im Jahr. Was die Teilnehmer in den Laborräumen an der Lauenburger Straße erfuhren, ließ so manchen aus der Runde erstaunt zurück.

Wer ahnt schon, dass allein in Geesthacht jeden Tag 13 000 Aufträge eingehen und damit verbundene 75 000 Analysen erstellt werden? Das bedeutet natürlich auch einen erheblichen Zeitdruck: Morgens kommen die Proben, nachmittags liegen die Ergebnisse dem Arzt oder Auftraggeber vor. Und wer weiß schon, dass das Labor mit aktuell 693 Mitarbeitern der nach dem Helmholtz-Zentrum der zweitgrößte Arbeitgeber der Stadt ist?

Unternehmen wurde 1945 gegründet

Dr. Jan Kramer bot tiefe Einblicke nicht nur in die Geschichte des Familienbetriebs, sondern auch in die aktuelle Situation und die Pläne für die Zukunft. Gegründet wurde das Unternehmen von Dr. Siegfried Kramer am 31. Mai 1945. Damit ist es Deutschlands älteste private Laborfacharztpraxis.

Aus den Anfängen ist inzwischen ein europaweit agierender Anbieter geworden. Allein in Deutschland gehören 16 Fachlabore, 31 Krankenhauslabore und Beteiligungen an 34 Laborgemeinschaften zum Labor Dr. Kramer, das offiziell LADR heißt - dieses Kürzel steht für Laborärztliche Arbeitsgemeinschaft für Diagnostik und Rationalisierung.

Etwa 2500 Mitarbeiter stehen in Deutschland im Dienst der LADR. Zudem gibt es Beteiligungen an Laboren in Finnland, Russland, Polen und Rumänien. Kein Wunder also, dass bis Ende des vergangenen Jahres auch die Blutproben von Alkoholsündern im finnischen Straßenverkehr in Geesthacht untersucht wurden. "Da kam jeden Tag ein Flugzeug nach Hamburg", sagt Jan Kramer. Zudem wies er darauf hin, wie wichtig die Laboruntersuchungen vor Ort für die Region sind und wie weit fortgeschritten die Labordiagnostik inzwischen ist. "Chronische Nierenerkrankungen zeigen häufig kaum Symptome. Eine Labor-Untersuchung zur Früherkennung kostet 25 Cent. Wird eine solche Laboruntersuchung eingesetzt, kann rechtzeitig ein Nierenspezialist hinzugezogen werden. Somit könnte unter Umständen eine Dialysetherapie für mehr als 27 000 Euro verhindert oder zumindest hinausgezögert werden", sagt der Facharzt für Innere Medizin und Labormedizin.