Geesthacht

Säge zerteilt gigantische Turbine

Krümmel: Spezialwerkzeug im Einsatz

Eigentlich steht das Kernkraftwerk Krümmel still. Doch in der Maschinenhalle leistet eine Spezialmaschine seit Kurzem im wahrsten Sinne des Wortes Großes: "PSK 12 25" heißt die Sonderanfertigung, mit der im Kraftwerk erstmals in der Geschichte des Atommeilers ein altes Bauteil zerlegt wird. Die Alt-Turbine, die 2005 durch ein effektiveres Modell ersetzt wurde, wird mit Hilfe der Bandsäge in etwa 400 Kilo schwere Stücke zersägt. Insgesamt fallen dabei 1200 Tonnen Schrott an.

50 Millionen Euro hatte der Energiekonzern Vattenfall 2005 in die neue Turbinentechnik investiert. Damit wurde das Kraftwerk am Elbufer mit einer Leistung von mehr als 1400 Megawatt zum leistungsstärksten Siedewasserreaktor weltweit. Die alte Turbine wurde damals ausgebaut und eingelagert - jetzt wird sie zerlegt und das Material wiederverwertet.

Für diese Arbeiten ist ein enormer Aufwand nötig. "Zunächst haben wir die Turbine und die Gehäudeteile in 'Tortenstücke' zerlegt, die wir gut handhaben können", erklärt Roland Haid, Projektleiter Entsorgung Alt-Turbine. Ein riesiger Portalkran, der auf Schienen in der Maschinenhalle fährt, kann diese "Tortenstücke" aus der Ebene unter der Maschinenhalle herauf heben. 24,50 Meter über dem Meeresspiegel befindet sich die Ebene, auf der dann "PSK 12 25" läuft. Die Säge ist in dieser Art und Größe in Deutschland einmalig. Tonnenschwere Stahlstücke werden mit dem Kran auf das Podest unter der Säge gehoben und dort eingespannt. "Acht bis zehn Schnitte schaffen wir mit einem Sägeband", sagt Zerspanungstechniker Stephan Riedel, der "PSK 12 25" bedient. Die Arbeitsfläche ist per Lichtschranke gesichert und die Hightech-Maschine computergesteuert.

Dem Strahlenschutz fällt bei den Zerlegungsarbeiten eine besondere Aufgabe zu. Jedes Teil wird dokumentiert und beurteilt. Mit einem feinen Wischtest wird die Kontamination an der Oberfläche ermittelt. Die Historie und die ursprüngliche Art der Kleinteile werden genau archiviert. "Die Oberflächen der Teile werden mit Ultraschall, Wasser und Sandstrahlen gereinigt, danach sind sie frei von jeder Kontamination", sagt Haid. Das abgestrahlte Material landet in Fässern. "Der Schrott, der nach der Zerlegung übrig bleibt, ist sehr hochwertig", sagt der Projektleiter.

Alle nötigen Arbeitsschritte wurden im Vorwege mit der Atomaufsicht abgesprochen und gemeinsam entwickelt. "Wir sammeln mit den Arbeiten an der Alt-Turbine auch Erfahrungen für einen Rückbau des gesamten Kraftwerks", sagt Michael Wenk, Referent für regionale Kommunikation bei Vattenfall. Wann damit begonnen werden kann, ist noch völlig offen. Noch läuft ein Schiedsverfahren, weil Vattenfall sich mit der Bundesregierung über die Konditionen für den Atomausstieg streitet. Krümmel befindet sich offiziell im "längerfristigen Stillstandsbetrieb", ist noch nicht endgültig stillgelegt.

Anfang 2016 soll die Alt-Turbine komplett zerlegt und entsorgt sein, so der Plan von Roland Haid. 1500 Mal pro Minute hatte sich die vom im Reaktor erzeugten Dampf angetriebene Turbine im Leistungsbetrieb gedreht.