Farbwahl

Schwarz statt Hellelfenbein

Geesthachter Taxis: Bunter Lack als Markenzeichen

In London lässt man sich in einem "Black Cab" durch die englische Hauptstadt kutschieren, die New Yorker "Yellow Cabs" sind ein beliebtes Fotomotiv bei Touristen. Und vor dem Hamburger Flughafen Fuhlsbüttel warten Hunderte Taxis in dem bekannten "Eierschalengelb" auf neue Gäste. Nur in Geesthacht trifft man auf schwarze, silberne und weiße Autos mit dem gelb-schwarzen Taxischild auf dem Dach. Dabei schreibt doch die Bundesbetriebsordnung (BO Kraft) vom 1. September 1980 ausdrückliche die Einheitsfarbe "Hell-Elfenbein" für alle Taxis vor.

Diesen Einheitsbrei im Taxi-Gewerbe will Gerd Hiltcher mit seinen Autos ein Stückweit aufbrechen: "Für uns sind unsere schwarzen Taxen ein Alleinstellungsmerkmal", so der Geschäftsführer von Taxi Riechert in Geesthacht. "Schwarz wirkt einfach eleganter." Und damit nicht genug: Mit höflichen Fahrern in weißen Hemden und Krawatte sowie den 30 schwarzen Mercedes-Limousinen könne man sich von anderen Unternehmen absetzen - bunt ist für ihn eine Chance. Auch Franz Peya, vom Geesthachter Taxi-Service Mini-Peya hat sich gegen den herkömmlichen Taxi-Lack mit der offiziellen Bezeichnung "RAL 1015" entschieden. "Hell-Elfenbein sieht man doch überall", so Peya. Seine Taxis sind alle weiß. "Das lockert auf, ist eine neutrale Farbe und sieht bei Fahrten zu festlichen Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Konfirmationen gut aus."

In Schleswig-Holstein wurde - im Gegensatz zu Hamburg - die Taxifarbe über eine Allgemeinverfügung freigegeben, sagt Harald Haase, Pressesprecher beim Wirtschaftsministerium in Kiel. Will heißen: Die Taxibetreiber haben bei der Farbe freie Wahl. "Angefangen hat Baden-Württemberg in 2003", erinnert sich Frederik Wilhelmsmeyer. Dem stellvertretenden Vorsitzenden des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands (BZP) ist die Entscheidungsfreiheit wie in Geesthacht allerdings ein Dorn im Auge: "Farbe und Taxischild zusammen sind die primären Erkennungsmerkmale des deutschen Taxis." Und er vergleicht die Farbe gerne mit dem Coca-Cola-Schriftzug oder dem Mercedes-Stern. "Aber die Farbe wurde ja nicht ausgesucht, weil sie besonders schön ist", so Wilhelmsmeyer. Vielmehr hätten Untersuchungen ergeben, dass diese Farbe bei schlechtem Wetter am Besten zu erkennen sei.

Ob schwarz, weiß oder Eierschale - am Ende geht es dem Kunden mehr um den Service und ein schnell verfügbares Taxi. "Mir ist die Farbe eigentlich vollkommen egal", sagt Simon Feldscheit. Der Hamburger hatte geschäftlich in Geesthacht zu tun - und fährt nun mit einem silbernen Taxi gen Hamburg.