Serie: Geesthacht in Zahlen

13 Männer für eine Stadt

Geesthacht. 13 ist die erste Zahl, die in unserer neuen Reihe "Geesthacht in Zahlen" die Hauptrolle spielt. Wie viele Straßen ziehen sich durch die Stadt? Wie alt ist der älteste Einwohner? Wie hoch ist der höchst Punkt der Stadt?

Fragen wie diese sollen hier beantwortet werden. Und die erste Antwort ist eben 13 - und zwar auf die Frage: Wie viele Bürgermeister haben die Stadt bisher geführt?

Seitdem Geesthacht im Jahr 1924 die Stadtrechte bekam, haben 13 Männer den Chef-Posten der Verwaltung bekleidet. Der Bürgermeister ist an die Beschlüsse der Ratsversammlung gebunden. Gleichzeitig kann und sollte er die Entscheidungsprozesse der politischen Vertreter aber kritisch begleiten und Impulse geben.

Wie unterschiedlich die 13 Bürgermeister das Amt in 89 Jahren ausfüllten, fasste der 2008 verstorbene Leiter unserer Geesthacht-Redaktion, Bernhard Menapace, anlässlich der Bürgermeister-Direktwahl im September 2005 zusammen: "Sie wurden verprügelt und saßen im Gefängnis; sie waren Europäer, Kommunisten, Nationalsozialisten und Demokraten; sie hatten Glaser und Maurer gelernt, waren Jurist, Stadtplaner und Parteimanager; sie lebten in London, Schwerin, Bonn, Osterholz-Scharmbeck und in Toulouse; sie nutzten Geesthacht (...) als Sprungbrett, wurden abgesetzt, traten zurück oder wurden wieder gewählt; und sie alle waren zugezogen." In einem Sonderdruck aus der "Lauenburgischen Heimat" Nr. 171 hat er Geesthachts Bürgermeister porträtiert.

Der Erste

Im Jahr 1924 machte der Jurist Julius Weltzien den Auftakt. Er war nicht nur der erste, sondern mit 27 Jahren bisher auch der jüngste Bürgermeister der Stadt. Und er ist der einzige, nach dem eine Straße benannt wurde. Von Kommunisten und Bürgerlichen gewählt, erwies sich Julius Weltzien als Demokrat. Weil er auf eine Koalition aus Sozialdemokraten und Bürgerlichen setzte, verärgerte er die Kommunisten - in der Weimarer Zeit stets stärkste Fraktion in der Stadtvertretung - und wurde 1927 sogar von einem Zuschauer der Stadtvertretersitzung angegriffen. 1931 trat er zurück, wurde 1933 von den Nazis verhaftet. Ab 1934 soll er als Anwalt in Berlin gearbeitet haben.

Die Ausdauernden

Keiner hielt sich so lange im Amt wie Dr. Otto-Wilhelm Krause (1960-1972) und Peter Walter (1988-2000). In Krauses Amtszeit wurde vor allem eines - gebaut. Der Gemeinnützige Bauverein zu Geesthacht errichtete Wohnblöcke in der Oberstadt, die Teppichfabrik baute 1965 Geesthachts erstes Hochhaus am Keil, die Elbbrücke wurde 1966 eröffnet, ebenso das städtische Altenheim, das Freibad, die Oberstadtschule, die Kirche St. Petri und die Kaufhäuser Hackmack und Hertie. Auch die Vorbereitungen für den Bau des Atommeilers auf dem Gelände der ehemaligen Dynamitfabrik in Krümmel fallen in die Amtszeit Krauses, der im Jahr 2001 in Hannover verstarb.

Peter Walter lebt noch heute in Geesthacht. Stolz ist er auf die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs während seiner Amtsperiode: "Wir haben die Metrobuslinien und den Eilbus eingeführt." Auch den Bau des Kleinen Theaters sowie die Planung und Umsetzung eines zentralen Busbahnhofs und des Plaza-Centers hat er begleitet. Zusammen mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft holte er 1991 die Firma Depesche aus Glinde nach Geesthacht - einer der größten Steuerzahler der Stadt.

Der Kämpfer

Eine überaus bewegte Vergangenheit brachte der bei Amtsantritt 53-jährige Carl Bung mit als er erst 1946 und dann 1950 bis 1958 Bürgermeister wurde. Der Bauarbeiter startete seine politische Karriere beim linken Flügel der SPD wechselte dann zur USPD und 1920 zur KPD. Er beteiligte sich im März 1921 am "Kommunisten-Aufstand", als die Geesthachter Post und die Sprengstofffabriken in Krümmel und Düneberg besetzt wurden. Dafür erhielt er eine Haftstrafe von zehn Monaten. 1927 trat er wieder in die SPD ein. Als Sozialdemokrat wurde Bung mehrfach von den Nazis verhaftet und saß sechs Wochen im KZ Neuengamme. Sein Arbeitgeber, Bauunternehmer Emil Hackmack, setzte sich für seine Freilassung ein. Nach dem Krieg wurde Carl Bung erst von der britischen Militärregierung zum Stadtvertreter ernannt, 1950 wurde er regulär gewählt. Sein Name ist in Geesthacht mit dem Wiederaufbau verbunden. Der Bau des Krankenhauses, der allmähliche Aufbau des GKSS-Forschungszentrums und die Planung des Pumpspeicherwerks und der Staustufe prägen seine Amtszeit, die er selbst 1958 aus gesundheitlichen Gründen beendete.

Mit Ingo Fokken wurde im Jahr 2000 zu ersten Mal ein Geesthachter Bürgermeister direkt von den Einwohnern gewählt, 2005 bestätigten sie ihn im Amt, das er inne hatte bis zu seinem Tod im Sommer 2009. Er erlitt beim Golfspielen einen Herzinfarkt. Die Amtsgeschäfte übernahm Volker Manow zuerst stellvertretend. Im Dezember 2009 wählten die Geesthachter ihn zum Verwaltungschef. Genau wie Alfred Hufeld, Siegfried Weiße und Karsten Ebel vor ihm, war Volker Manow vorher Erster Stadtrat in Geesthacht.

Die Bürgermeister haben 13-mal gewechselt, viele Themen sind jedoch geblieben, wie etwa das Ringen um eine Bahnanbindung nach Bergedorf oder um die Umgehungsstraße, der Konflikt um das mittlerweile stillgelegte Kernkraftwerk Krümmel oder die Altlasten aus den Rüstungsbetrieben.

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