Nordic Walking

Diese Frau geht allen davon

Geesthacht (knm). Wenn Ursula Grube ihre schwarze Trainingskleidung anzieht und die beiden Stöcke zur Hand nimmt, hat sie innerlich schon den Turbo Boost eingeschaltet. Denn die sportliche Rentnerin aus Tespe marschiert so manch einem Jogger davon.

Nordic Walking ist ihre Sport. Und wer jetzt an einen gemütlichen Waldspaziergang denkt, irrt sich gewaltig. Ursula Grube trainiert beim Geesthachter Lauftreff zusammen mit Läufern und hat im vergangenen Jahr in ihrer Altersklasse die Deutschen Meisterschaften im Nordic Walking gewonnen, schafft die knapp über 21 Kilometer in 2 Stunden und 34 Minuten.

Alles fing an mit einem Job als Zeitungsausträgerin. "Ich machte das an zwei Tagen, jeweils drei Stunden und merkte, das ist wie bezahltes Fitness." Beim Austragen achtete sie auf ihre Geschwindigkeit. 2008 fing sie mit Wettkämpfen an. "Meinen ersten Wettkampf machte ich in Winsen über acht Kilometer, damals noch ohne Stöcke", erinnert sie sich. Dreimal ist sie seitdem den Hamburg Marathon gewalkt. Schließlich wurde sie bei einem Wettkampf in Itzehoe von zwei Walkern mit Stöcken überholt und war angetan von den flüssigen Bewegungsabläufen. Das wollte sie auch können. Hilfe bekam sie von einer Trainerin aus Scharnebeck, selbst amtierende Weltmeisterin im Nordic Walking in ihrer Altersklasse. "Es ist sehr wichtig, am Anfang die Technik richtig zu lernen, nur dann hat der Sport die volle Wirkung", sagt Grube. Und die ist enorm: Laut dem Lauftrainer und Buchautor Herbert Steffny verbraucht ein Mensch mit einem Gewicht von 60 Kilogramm 531 Kilokalorien pro Stunde, wenn er mit einer Geschwindigkeit von neun Stundenkilometern joggt. Mit Nordic Walking erreicht man bei gleicher Geschwindigkeit einen Verbrauch von 961 Kilokalorien. Einer von vielen Gründen, warum Ursula Grube dafür wirbt, den Sport nicht zu belächeln. "Neben der Ausdauer muss man die Technik gut beherrschen, denn bei Wettkämpfen gibt es strenge Regeln, zum Beispiel muss immer ein Fuß am Boden sein und die Stöcke dürfen nicht von der Hand genommen werden." Die Weltmeisterschaften sind Mitte Juni im Bayerischen Wald. Bis dahin trainiert Ursula Grube im Geesthachter Stadtwald etwa viermal die Woche, reißt dabei 50 bis 75 Kilometer ab.