Zukunft

Gemischte Gefühle für 2013

Börnsen (dpa/bz). Persönlich optimistisch, gesellschaftlich pessimistisch - derart gespalten sehen die Deutschen nach Einschätzung des Börnsener Zukunftsforschers Horst Opaschowski dem neuen Jahr entgegen.

"Auf der gesellschaftlichen Ebene erwarten sie ebenso realistisch wie pessimistisch weitere Finanz- und Wirtschaftskrisen", sagt Opaschowski. "Ganz persönlich aber breitet sich bei den Bundesbürgern Lebens- und Zukunftsoptimismus aus."

80 Prozent der Deutschen blicken Opaschowski zufolge "optimistisch in die eigene Zukunft" - im vergangenen Jahr waren es nur 68 Prozent. Und vier von zehn Bundesbürgern erwarten im kommenden Jahr geradezu "bessere Zeiten" - auch dies mit steigender Tendenz (2011: 36 Prozent, 2012: 41). Die Prognosen des 71-jährigen Wissenschaftlers, der einst das BAT-Freizeitforschungsinstitut gegründet hatte, basieren auf repräsentativen Umfragen, die er im Dezember 2012 und 2011 unter 1000 Personen ab 14 Jahren in Deutschland erheben ließ.

Für die junge Generation seien Krisen fast zur Normalität geworden, sagt Opaschowski. Deshalb reagiere sie auch relativ gelassen. "Krisenzeiten haben sie eher stark und selbstbewusst gemacht, weil sie auf den Zusammenhalt von Familie und Freunden bauen kann." Nur so sei es zu erklären, dass inzwischen 90 Prozent der 14- bis 17-Jährigen optimistisch in die nahe Zukunft schauten, weil bei ihnen "die positive Einstellung zum Leben" dominiere. "Sie leben zwei Leben: das gesellschaftliche und das persönliche", sagte er. Im Vorjahr lag der Anteil der Zuversichtlichen in dieser Altersgruppe bei 47 Prozent. "Die "Generation Krise" hat mit Krisenängsten zu leben gelernt, arrangiert sich und meistert ihr Leben auf ihre eigene Weise", erklärte der Forscher.

Die 50plus-Generation sowie Alleinlebende sind da Opaschowskis Umfrage zufolge viel skeptischer eingestellt. "Sie wünschen sich daher mehr Gemeinsinn in der Gesellschaft und hoffen darauf, dass die Bürger wieder zusammenhalten", so der Börnsener. "Die Menschen haben das Gefühl, dass sie in einer Ära der Dauerkrise leben: Wirtschaftskrisen, Finanzkrisen, Umweltkrisen, Bildungskrisen - es gibt ja fast nichts, was nicht krisenhaft erlebt wird."

Die Signale aus der Wirtschaft stimmten viele Beschäftigte nachdenklich. Die überwiegende Mehrheit der Deutschen erwarte, dass sie mit noch "mehr Druck und Stress" arbeiten und mit "mehr Arbeitsplatzunsicherheit leben muss", sagt Opaschowski. "Mit der Sorge um die Sicherheit des Arbeitsplatzes und der Angst vor Personalabbau wächst auch die Sehnsucht nach existenzieller Sicherheit." So würden Arbeitnehmer umdenken: Jobgarantien werden wichtiger als Einkommenserhöhungen.

Auch die Parteienlandschaft in Deutschland mache den Bundesbürgern derzeit große Sorgen. Drei Viertel der Bevölkerung gehen mittlerweile davon aus, dass sich 2013 "Nichtwähler ausbreiten", weil "die Parteien immer gleicher und die Wähler immer gleichgültiger werden", berichtet der Forscher.

Vor allem Jungwähler im Alter von 18 bis 24 Jahren starteten in diesem Bereich enttäuscht ins Bundestagswahljahr 2013. Bei ihnen wachse die Unzufriedenheit gegenüber beiden - den Parteien und den Politikern. "Sie vermissen authentische Verbindungen von Personen und Programmen. Sie sind nicht wahlmüde, eher politikerverdrossen", sagt Opaschowski. Drei Viertel der Jungwähler klagten über wachsende Politikerverdrossenheit, im Jahr zuvor seien es 49 Prozent gewesen. Die Partei der Nichtwähler drohe laut Opaschowski zur stärksten Volkspartei zu werden.