Wildschwein

Findelkind Borsti hofft für 2013 auf Nachwuchs

Geesthacht (pas). Äpfel mag er richtig gerne, nicht nur zu den Festtagen am Jahresende.

Mit der Damenwelt scheint Geesthachts bekanntestes Wildschwein allerdings noch zu hadern. "Borsti weiß noch nicht so recht, was er mit Püppi anfangen soll", sagt Christian Warncke. Der Landwirt und Jäger aus Grünhof hat das Tier vor knapp zwei Jahren als Frischling bei sich aufgenommen. Inzwischen ist Borsti erwachsen - und hat dieser Tage erstmals Damenbesuch.

Ein befreundeter Landwirt aus Wiershop hat die einjährige Hausschweindame Püppi vorbeigebracht. Die beiden Tiere leben für ein paar Tage gemeinsam in Borstis 150 Quadratmeter-Gehege auf Warnckes Hinterhof, umkreisen sich aber noch recht argwöhnisch. "Eigentlich soll Borsti für Nachwuchs sorgen, aber ich bin mir nicht sicher, ob er das auch tut", so Warncke. Wirklich wissen wird der 34-Jährige das erst in ein paar Monaten, wenn Püppi längst wieder daheim in Wiershop im Schlamm wühlt.

Borsti lebt seit August 2010 bei Christian Warncke. Damals fand der Jäger den Frischling bei der Jagd in einem Maisfeld. Das Muttertier hatte Reißaus genommen und das kleine Schwein war nicht hinterhergekommen. Als die Bache nicht zurückkam, nahm Warncke das Wildschweinbaby mit zu sich nach Hause und päppelte es auf (wir berichteten). Christian Warnckes Frau Marina taufte das neue Familienmitglied - frei nach dem Comic Werner - "Borsti". Gefüttert wurde es mit dem gleichen Pulvergemisch, das auch Warnckes damals sechs Monate alter Sohn Jonas bekam.

Jonas ist heute drei Jahre alt. Entwickelt haben sich die beiden aber ziemlich unterschiedlich. Während das Wildschwein als Frischling früher ab und an noch durch den Flur der Warnckes laufen durfte und auch mal, genau wie Jonas, liebkost wurde, bleibt es heute in seinem Gehege. Denn abgesehen von einem Gewicht über 60 Kilo, hat der Keiler inzwischen auch ganz schöne Hauer bekommen. "Da muss man echt aufpassen, wenn man ins Gehege geht", so Warncke. Borsti kommt dann nämlich gerne "schmusen", schubst Warncke leicht an und reibt seinen Kopf freundschaftlich an den Beinen des Landwirts. Dabei kann es schnell passieren, dass Borstis messerscharfe Hauer die Hose von Christian Warncke aufschlitzen.

Das Wildschwein wieder auszuwildern, ist keine Option für Warncke. Das Tier würde in der freien Natur gar nicht mehr klarkommen, würde Gefahren wie Autos und Straßen nicht kennen und ahnungslose Spaziergänger erschrecken, indem er auf sie zu rennt - weil er Menschen als Freunde kennengelernt hat.

Und auch wenn in Christian und Marina Warnckes Restaurant "Waidmannsruh" regelmäßig Wildschwein auf der Speisekarte steht, Borsti wird nie darunter sein. "Wir haben ihn alle ins Herz geschlossen, er gehört längst zu unserer Familie dazu", betont Christian Warncke.