Geschichte

Als Soldaten Kühe und Geld stahlen

Geesthacht. Es waren drei Jahrzehnte, in denen Katholizismus und Protestantismus miteinander im Krieg lagen und in denen es um die Macht in Europa ging.

Drei Jahrzehnte, die von immer neuen Schlachten, vernichtenden Raubzügen, Seuchen, Hunger und Ernteausfällen bestimmt waren. Von den rund 16 Millionen Menschen, die damals im Gebiet des Alten Reiches (in seiner größten Ausdehnung große Teile Mittel- und Südeuropas) lebten, sind zwischen 1618 und 1648 nach Schätzungen 20 bis 45 Prozent ums Leben gekommen.

Für Bauern und Handwerker auf dem Land war es eigentlich unwichtig, wie Herrscher die Bibel auslegten oder dass sie sich um Länder und Grenzen stritten. Die einfache Bevölkerung hatte im 17. Jahrhundert genug damit zu tun, ihr tägliches Überleben zu sichern. Doch den umherziehenden Soldaten und Söldnern entkamen sie nicht. Auch in Geesthacht hat der Dreißigjährige Krieg gewütet. Wolf-Rüdiger Busch, Leiter des Museums Krügersches Haus, und Ex-Archivar Dr. William Boehart haben jetzt ein neues Buch dazu vorgestellt: "Der große Krieg und das kleine Dorf. Der Dreißigjährige Krieg und Geesthacht".

"Ein sehr interessantes Geesthacht-Buch, das sich auch gut als Weihnachtsgeschenk eignet", sagte Bürgermeister Volker Manow, der den beiden Autoren dankte. Busch und Boehart haben dafür Unterlagen verwendet, die sie bereits 2012 für eine Sonderausstellung zusammengestellt hatten.

Für wissenschaftliche Verstärkung sorgte die Historikerin Dr. Jutta Braden. Sie kann die Quellentexte lesen, die für heutige Menschen kaum zu entziffern sind. Und wurde prompt im Hamburger Staatsarchiv fündig. "Dort hat sie das erste Einwohnerverzeichnis Geesthachts gefunden. Es stammt vom 7. November 1644", sagt Rüdiger Busch. 35 bis 49 Familien lebten damals in dem Dörfchen an der Elbe - die Zahlen variierten während der drei Jahrzehnte des Krieges.

Und obwohl diese Menschen gar nicht an den Kämpfen beteiligt waren, mussten sie sehr darunter leiden. Immer wieder zogen Soldatenheere an Geesthacht vorbei, die sich von den Kätnern und Bauern versorgen ließen - und sich auch selbst aus Viehbeständen und Vorräten bedienten, Hausrat und Geld stahlen. "Unser Dorf Geisthacht gans ausgeplündert", berichtete der Bergedorfer Amtsverwalter Hermann Schuldorf 1627 an die Stadt Lübeck. Gegen Ende des Krieges waren es mehr und mehr marodierende Söldner aus ganz Europa, die plünderten und mordeten. "Die Angst und die Grausamkeit, unter der die Menschen damals litten, kann man sich heute nicht vorstellen", sagt Wolf-Rüdiger Busch.

Drei Häuser brannten nieder, fast alles wurde gestohlen. 1645 hatten die Geesthachter Besitztümer in die Kirche gebracht, doch auch sie wurde aufgebrochen und geplündert, der Küster niedergeschossen. Das neue Buch erzählt anhand des Schadensverzeichnisses von den Familien Elvers, Harders, Gerkens, Uhrbrock und anderen. Visitatoren des Amtes Bergedorf standen Geesthacht eine Entschädigung von 12 000 Mark zu. Doch letztlich erhielt die Dorfgemeinschaft nur 100 Reichstaler - etwa 300 Mark.

"Wir haben mit diesem Buch auch ein Angebot für die Schulen geschaffen, sich mit diesem Thema zu beschäftigen", sagt William Boehart. Die beiden Autoren wollen die Reihe fortsetzen - mit einem zweiten Band über die Franzosenzeit und einem dritten über die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts. "Es soll eine Reihe werden, die zum 800-Jahr-Jubiläum Geesthachts vorliegt", sagt Wolf-Rüdiger Busch.

Das Buch "Der große Krieg und das kleine Dorf" kostet 12,90 Euro und ist nur im Krügerschen Haus, Bergedorfer Straße 28, erhältlich.