Diagnostik-Straße

Sichere Blutbilder aus dem Computer

Geesthacht.. Mikroskope sucht man in dem riesigen Raum im Neubau des Labors Dr. Kramer und Kollegen (LADR) vergeblich. Stattdessen erinnern Flachbildschirme und anmutig abgerundete Rechner eher an die Design-Zentrale eines Computerherstellers.

Doch die imposanten PCs sind Herzstück einer neuen Laborstraße, die gestern eröffnet wurde - und zu den modernsten der Welt gehört. Die Anlage liefert Blutbild-Analysen - automatisch und mit einer nie da gewesenen Sicherheit. "Unter dem Mikroskop werden bei einer Untersuchung 100 Zellen angeschaut. Der Automat betrachtet 10 000 Zellen. Das erhöht die Sicherheit in der Diagnostik enorm", sagt LADR-Geschäftsführer Dr. Jan Kramer. "Eine gute Labordiagnostik ist eine der Säulen der modernen Medizin. Mehr als 70 Prozent aller Diagnosen werden heute auf Basis von Laborbefunden gestellt."

Nicht nur mehr Sicherheit, auch einen Zeit- und Ressourcengewinn soll die neue Technik dem Geesthachter Labor bringen, das für bundesweit 20 000 Ärzte und 200 Kliniken arbeitet. "Wir hatten von 2009 bis 2012 mehr als 2,5 Millionen Blutbild-Anforderungen. Und die Zahl nimmt noch deutlich zu", sagt Kramer. 70 Prozent dieser Laborbefunde werden nun bereits am selben Tag an die Ärzte zurückgeschickt, so erhalten 90 Prozent der Patienten dank der modernen Technik ihre Diagnose innerhalb von 24 Stunden.

Die neue Diagnose-Straße sorgt im Geesthachter Labor zudem in den kommenden Monaten für viel internationalen Besuch: So hat der japanische Hersteller Sysmex die neue Anlage zum europäischen Referenzlabor erklärt. Noch vor Weihnachten wird deshalb eine Delegation aus Afrika in Geesthacht erwartet, die sich vor Ort über das automatische Labor informieren will. Gestern durfte das Team vom Labor Dr. Kramer bereits Gäste aus Fernost begrüßen: Mitsuru Watanabe aus dem Management des Herstellers kam mit mehreren Kollegen extra aus dem japanischen Kobe nach Geesthacht, um die Diagnosestraße in Betrieb zu nehmen.