Lokalspitze

Mit der Dampflok in die Kindheit

Eigentlich sollte es nur eine Aufräumaktion werden. Doch daraus wurde eine Reise in die Geschichte. Quasi eine Zugfahrt in die Kindheit, gezogen von Dampflok "Karoline".

Aber der Reihe nach. Am Wochenende kramte ich so in meiner Kassetten-Kiste. Eigentlich sollte der verstaubte Karton in den Keller. Doch plötzlich hielt ich ein Band in Händen, voll mit Aufnahmen aus meiner Kindheit. Erhaben knisterte es, als ich die Kassetten in unseren letzten verbliebenen Rekorder einlegte. Und dann kam die Episode vom 10. November 1980. Voller Inbrunst berichtete ich - 32 Jahre jünger im zarten Alter von fünf Jahren - über meine erste Dampfzugfahrt von Bergedorf nach Geesthacht und wieder zurück.

Ich konnte mich gar nicht wieder einkriegen. Lok "Karoline" machte "richtig dicken, schwarzen Qualm". Aus allen Rohren . "Das war ganz toll", hörte ich mich mit kindlicher Stimme voller Faszination ins Mikrofon sagen. Was für ein Spektakel. Ich schoss ein Foto nach dem anderen - mit meinem ersten Fotoapparat. "An jedem Autoübergang hat der Mann gezogen und es hat Bimbimbim gemacht", berichtete der kleine Kai. Und sogar die warteten Autofahrer hätten begeistert geschaut. Wahnsinn, wie mich die schnaufende Dampflok beeindruckte - die damals streng genommen noch gar nicht "Karoline" hieß.

Ich fand es toll, 32 Jahre zurückzugehen - und ein Stück Alltag mit kindlichen Augen sehen zu dürfen. Das tat gut. Öffnet es doch den Sinn für Details, die uns heute oft verloren gehen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gerade für die stressigen Vorweihnachtswochen viele neue Blickwinkel!