Ausgleichsflächen

Einst Spargelacker - bald Heimat für seltene Pflanzen

Geesthacht. Ein neues Wohngebiet entsteht, eine Straße wird gebaut, Bäume müssen weichen, Deichvorland verschwindet. Früher kümmerte sich niemand um die Verluste in der Tier- und Pflanzenwelt, die es durch neue Bauprojekte gab.

Doch heute schreiben Gesetze vor, dass für jeden Bebauungsplan Ausgleich geschaffen werden muss - "wenn sich der Eingriff nicht vermeiden lässt", sagt Ulrike Stüber.

Die Landschaftsarchitektin ist im Fachdienst Umwelt der Stadt Geesthacht zuständig für solche Ausgleichsmaßnahmen. Alle Flächen sind im Landschaftsplan verzeichnet. Das jüngste Projekt: Die Umwandlung des sogenannten Spargelackers auf der Schleuseninsel in eine Naturfläche. "Es ist ein Ausgleich für die Hochwasserschutz-Maßnahme am Schleusenkanal", erklärt Ulrike Stüber. Das Feld, das der Landwirt Peter Buhk von der Stadt gepachtet hatte, um darauf Spargel anzubauen, soll zu Grünland werden. "Denn magere Deichflächen sind für den Hochwasserschutz verloren gegangen", so die Expertin.

Sogar Grassoden vom Deich am Schleusenkanal wurden Stück für Stück umgesetzt - auf eine künstlich aufgeschüttete Düne, wo sie ebenfalls in Schräglage zur Sonne positioniert sind. Königskerze, Nickende Distel, Kreuzlabkraut und Wilde Möhre sollen sich hier ausbreiten und ebenso seltene Tierarten - wie der Reseda-Weißling oder die Hügelspornzikade. "Das sind typische Arten für die Elbtalaue, die teilweise nur hier vorkommen", sagt Stüber.

Auf dem knapp zehn Hektar großen Areal ließ die Stadt zudem Ulmen pflanzen, ebenfalls typische Auengewächse. Ulrike Stüber: "Eine Vorgabe war, dass wir nichts selbst aussäen. Die Fläche soll sich nun allein weiterentwickeln." Nur gemäht wird einmal im Jahr. Und später sollen Schafe oder Rinder für eine sparsame, aber stetige Beweidung sorgen.

Die gesamte Schleuseninsel gehört dann komplett der Natur: Denn schon vor Jahren schufen die Stadt (für verschiedene Bebauungspläne) und die Firma Möbius (für den Bau der A 25) hier große Ausgleichsflächen. Für den aktuellen Ausgleich zum Hochwasserschutz reichte die Umwandlung des Spargelackers indes noch nicht aus: Auch 90 Bäume wurden im Stadtgebiet gepflanzt und nördlich von Grünhof entstand ein Gehölz, das Nachtigallen Schutz bieten soll, die sonst am Elbufer leben. "Denn die Frage ist immer: Was ist verloren gegangen? Und wie können wir es ersetzen?", sagt Ulrike Stüber.

Es gibt viele weitere Ausgleichsflächen in Geesthacht. Für die Sporthalle der Alfred-Nobel-Schule (ANS) und das Gewerbegebiet Mercatorstraße entstanden zum Beispiel zwei Wiesen mit alten Obstsorten. Bereiche um den Oberstadttreff und die Ökosiedlung Heinrichshof werden der Natur überlassen, zwischen Hochzeitswald und Neubaugebiet Finkenweg-Ost gibt es eine Fläche als Ausgleich unter anderem für den Mensaanbau an der ANS und die Bebauung des Pappelwäldchens.

Ewas Besonderes ist das Ökokonto, das die Stadt auf 15,7 Hektar am Worther Weg geschaffen hat. "Es ist eine Art Vorratsfläche, aus der wir nach einem Vertrag mit der Unteren Naturschutzbehörde Teile abstreichen können, wenn wir Bauprojekte realisieren", erklärt Stüber. Statt dann etwas Neues anzulegen, kann die Stadt auf ein gut entwickeltes Biotop zurückgreifen. Auf dem Grünland, das von kleinen Tümpeln und Knicks durchzogen ist, leben besonders viele Amphibien.