Förderkreis Industriemuseum

Zehn Jahre Alfred-Nobel-Tage

Geesthacht. "Wir sind Nobelpreis!" titelten viele Medien begeistert, als im Oktober bekannt wurde, dass in diesem Jahr die Europäische Union den Friedensnobelpreis bekommt. Er wird am 10. Dezember in Oslo vergeben, am Todestag von Alfred Nobel (1833-1896).

Von Mittwoch, 5. Dezember, bis Montag, 10. Dezember, richtet der Förderkreis Industriemuseum anlässlich der Preisvergabe zum zehnten Mal die Krümmler Alfred-Nobel-Tage in Geesthacht aus. Sie erinnern an den Großindustriellen, der auf dem Krümmel im Jahr 1866 das Dynamit erfand.

Gegründet waren Nobels Fabriken zur Produktion ziviler Sprengstoffe. Reich jedoch machte den schwedischen Erfinder die Kriegsindustrie. Die Welt rüstete auf. Ende des 19. Jahrhunderts schrieb Alfred Nobel an Freundin und Friedensaktivistin Bertha von Suttner in einem Brief: "Vielleicht werden meine Fabriken die Kriege schneller beenden als deine Friedenskongresse, denn wenn sich zwei gleich starke Armeen gegenseitig in einer Sekunde vernichten können, werden alle zivilisierten Nationen davor zurückschrecken und ihre Truppen auflösen." Ein kolossaler Irrtum. Die Welt stand in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts am Abgrund, Städte lagen in Schutt und Asche, Millionen Menschen starben. Umso erstaunlicher eigentlich, dass knapp 70 Jahre später Europa derart zusammengerückt ist und einen Preis bekommt, der von Alfred Nobel gestiftet wurde.

Mit der Beziehung von Bertha von Suttner und Alfred Nobel hebt der Förderkreis Industriemuseum in diesem Jahr die Debatte um Krieg und Frieden ins Programm. "Dass zwei Schulen in unserer Stadt die Namen von Suttner und Nobel tragen und wie unterschiedlich beide Namensgebungen in Geesthachts politischen Gremien diskutiert worden sind, war für uns ein wunderbarer Ansatz", sagt Ulrike Neidhöfer, Mitbegründerin des Förderkreises.

Entsprechend macht der Schulleiter der Alfred-Nobel-Schule, Dr. Jan Rüder, am 5. Dezember um 17 Uhr den Auftakt. Er diskutiert im Geestachter Innovations- und Technologiezentrum (Gitz, Max-Planck-Straße 2) über die Frage "Identifikation mit Alfred Nobel?". Bei der Kinderuniversität für Grund- und Hauptschulen (7. Dezember, 9-13 Uhr, Gitz) spricht Professor Dr. Karl W. Böddeker über das Thema "Kann man Frieden kaufen? - Bertha von Suttner und Alfred Nobel". "Hier können die Kinder mehr über die Namen ihrer Schulen hier im Ort erfahren", sagt Ulrike Neidhöfer.

Der friedlichen Nutzung von Dynamit widmet sich am Donnerstag, 6. Dezember, der Schweizer Buchautor Hans Jakob Burkhardt. "Dynamit für den Gotthard - Die Dynamitfabrik von Isleten" heißt sein Referat, das er um 18 Uhr im Info-Zentrum des Kernkraftwerks (Elbuferstraße 80) hält. "In der Schweiz diente das Dynamit der Entwicklung der Infrastruktur, dem Tunnelbau und dem Erzabbau", sagt Jochen Meder vom Förderkreis Industriemuseum. "Ein Vergleich: Mit Dynamit waren nur 24 Bohrungen notwendig, wollte man mit Schwarzpulver sprengen, waren es 80."

Den Abschluss der Alfred-Nobel-Tage macht Dr. Thomas Slomka aus Hannover. Der Wissenschaftler machte in den 80er-Jahren Bodengutachten an den ehemaligen Geesthachter Fabrikstandorten. "Außerdem ist die Tante seiner Frau in Krümmel polnische Zwangsarbeiterin gewesen, was er erst lange nach den Gutachten erfahren hat", berichtet Ulrike Neidhöfer. Entsprechend trägt sein Vortrag den Titel "Alfred Nobel, Krümmel - persönliche Impressionen eines polnischen Chemikers".

Natürlich gibt es im Rahmen der Nobeltage auch wieder einen Historischen Spaziergang über das ehemalige Fabrikgelände in Krümmel (Treffpunkt Pforte Helmholtz-Zentrum, Max-Planck-Straße 1, Sonntag 9. Dezember, 11 Uhr).

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist kostenfrei, der Förderkreis freut sich allerdings über eine Spende. Um Anmeldung wird gebeten unter Telefon (0 41 52) 88 77 840 oder per E-Mail: industriemuseumgeesthacht@gmx.de . Das gesamte Programm gibt es auch im Internet.

www.industriemuseum-geesthacht.de