Aktion

Eine Tüte, die Opfern helfen soll

Geesthacht (knm). Marvin Goosmann (18) nimmt eine Brötchentüte von Sabine Wöhl entgegen. Eine Hotline für Menschen, die in den eigenen vier Wänden Gewalt erfahren, steht da drauf.

Marvin Goosmann findet es gut, diese Nummer jetzt zu kennen. Denn er weiß, dass häusliche Gewalt keine Seltenheit ist. "Ein Mädchen, das ich kenne, war selbst mal betroffen. Als ich davon erfuhr, war die Polizei zum Glück schon eingeschaltet", erzählt der junge Mann, der in der Außenstelle des Regionalen Berufsbildungszentrums am Dialogweg Fachkraft für Pflegeassistenz lernt.

Sabine Wöhl vom der Beratungsstelle Hilfe für Frauen in Not, Geesthachts Gleichstellungsbeauftragte Jutta Scharnberg-Sarbach und Polizist Bernd Telm informierten gestern sechs Schulklassen des Bildungszentrums über das Thema häusliche Gewalt unter dem Motto "Gewalt kommt nicht in die Tüte" - eine gemeinsame Aktion von Bäckern, Gleichstellungsbeauftragten und den lokalen Bündnissen "Gewalt gegen Frauen" und "KIK - Netzwerk bei häuslicher Gewalt".

"Wir sprechen mit den Schülern über Beziehungsdynamiken, erklären, wie Gewalt entsteht und was eine Gewaltspirale ist", sagt Sabine Wöhl. "Wir wollen, dass sie hinsehen und aktiv werden, wenn ihnen bei Nachbarn oder Freunden etwas auffällt." Die Tüten sollen auch Mut machen, sich zu melden, wenn man selbst betroffen ist. "Sie zeigen, dass man mit dem Problem nicht allein ist." 340 000 Tüten werden rund um den Tag "Nein zu Gewalt an Frauen" in Schleswig-Holstein verteilt, 300 in Geesthacht.