Auszeichnung

Fester Wohnsitz Kirchturm - Falken lieben St. Nicolai

Hohenhorn (gb). Kirche galt schon immer als Zufluchtsort. Das wissen aber nicht nur Menschen, sondern auch die Turmfalken zu schätzen.

Die mit Bussarden und Schleiereulen meist verbreitete Gattung von Greifvögeln in Europa hat ausgerechnet Gebäude - bevorzugt Kirchenmauern und Türme - als Lebensraum für sich entdeckt. Bereits 2008 haben die Aktiven vom Ortsverein Geesthacht des Naturschutzbundes Nabu im Kirchturm von St. Nikolai in Hohenhorn eine kleine Fensterscheibe herausgeschlagen, direkt dahinter ein Bruthäuschen aufgestellt. Keine zwei Wochen später zog das erste Turmfalkenpaar ein.

Es war eines der ersten Projekte dieser Art in Schleswig-Holstein. "Seitdem haben wir hier jedes Jahr mehrere Turmfalken, die im Kirchturm Nachwuchs bekommen, ihn füttern, bis die Jungvögel flügge sind und die ersten Flugstunden absolvieren", freuen sich Hans-Werner Oltmann und Claus Hektor (Nabu).

In einer bundesweit angelegten Aktion "Lebensraum Kirchturm" bedanken sich der Naturschutzbund und die Gesellschaft Deutsches Glockenwesen bei allen Kirchen, die ihre Türme den Turmfalken, aber auch Schleiereulen und Fledermäusen "geöffnet" haben. So auch in Hohenhorn.

Mit einem Zertifikat dankte der Nabu Geesthacht der Kirchengemeinde für die wohlwollende Geste, überreichte das Dokument der Küsterin Heike Kafka. Hartwig Jürgens: "Es ist nicht überall selbstverständlich. Vielerorts wird befürchtet, dass die Höhenbrüter Unmengen an Geäst anschleppen würden. Falsch. Die Turmfalken bauen keine Nester, sondern legen ihre Eier auf dem nackten Boden."

Als Beleg für die Auszeichnung von St. Nikolai bauten die Nabu-Mitglieder auf dem Kirchengelände eine Infosäule mit der Tafel "Lebensraum Kirchturm" und einem Kasten für Info-Flyer auf.

Der Glockenlärm scheint die Vögel im Kirchturm nicht zu stören. Ob Finnland, Lettland, Polen oder Deutschland - die Turmfalken fühlen sich in Kirchtürmen offenbar wohl. "In dem Hohenhorner ganz besonders, denn hier stimmt nicht nur der sichere Hort, sondern auch die Umgebung. Die riesigen Bäume, die das Kirchengebäude umsäumen und die Nahrung bringenden Felder", betont Hartwig Jürgens vom Nabu Geesthacht.

Die Turmfalken ernähren sich vorwiegend von kleinen Nagetieren, vor allem von Feldmäusen. Die Landwirtschaft rings um Hohenhorn mit Erdbeer- und Getreidefeldern stellt einen perfekten Lebensraum für die Vögel dar.