Brunsbüttel

Offenes Ende statt zügigem Rückbau

Geesthacht. Seit Monaten herrschte Stillschweigen in der Zentrale des Energiekonzerns Vattenfall. Obwohl der Atomausstieg seit eineinhalb Jahren beschlossene Sache ist, hüllte sich der Betreiber in Schweigen, wie es mit dem stillstehenden Kernkraftwerk Krümmel weitergehen soll und wann mit einem Rückbau zu rechnen ist.

Gestern nun überraschte der Konzern mit einem Antrag auf Rückbau - allerdings nur für das Kernkraftwerk in Brunsbüttel. Der Meiler soll mit der bestehenden Mannschaft vollständig zurückgebaut werden, Ziel sei eine "grüne Wiese" in 20 bis 30 Jahren.

Während es für Brunsbüttel seit gestern eine Perspektive gibt, will Vattenfall zur Zukunft des Meilers in Krümmel weiter keine konkreten Aussagen treffen. "Das Kernkraftwerk Krümmel ist ein Sonderfall. Sachverständige haben bei einer Anhörung zur Novelle des Atomgesetzes im Bundestag im vergangenen Jahr darauf hingewiesen, dass insbesondere die Abschaltung des Kernkraftwerks Krümmel rechtswidrig sein dürfte", sagte Vattenfall-Sprecherin Sandra Kühberger gestern vielsagend gegenüber unserer Zeitung. "Daher werden die beiden Eigentümer für das Kernkraftwerk Krümmel derzeit kein Stilllegungsgenehmigungsverfahren einleiten."

Nach Informationen unserer Zeitung will Vattenfall in Krümmel offenbar so lange mit dem Rückbau warten, bis eine Schadenersatzklage des schwedischen Mutterkonzerns entschieden ist. So klagt Vattenfall vor dem internationalen Schiedsgericht ICSID in den USA gegen die Bundesrepublik Deutschland, weil es sich insbesondere durch die Stilllegung des Kraftwerkes in Krümmel benachteiligt sieht. Krümmel wurde die Betriebserlaubnis entzogen, obwohl es nicht zu den älteren Atomkraftwerken zählt. Setzt sich Vattenfall vor dem Schiedsgericht, das zur Weltbank gehört und von der Bundesrepublik anerkannt ist, durch, drohen Deutschland Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe. Die Bundesregierung geht von einem mehrjährigen Verfahren aus, solange bleibt Krümmel vor einer ungewissen Zukunft. Kritiker befürchten zudem, dass sich Vattenfall mit dem Zögern eine eventuelle Rückkehr ans Netz offenhalten will. Schließlich hatte der Konzern vor dem Beschluss zum Atomausstieg noch mehr als eine halbe Milliarde Euro in Krümmel investiert.

Für den Geesthachter SPD-Landtagsabgeordneten und Energiepolitischen Sprecher Olaf Schulze ist das offene Ende ein unhaltbarer Zustand. "Ich hoffe, dass die Bundesregierung Druck macht", so Schulze. "Die Haltung von Vattenfall zeigt, wie wichtig der Vorstoß unser Landesregierung im Bundesrat ist, endlich verbindliche Fristen für den Rückbau festzulegen", sagt Schulze. Den angekündigten Rückbau in Brunsbüttel begrüßt der Geesthachter dagegen ausdrücklich.

Allerdings haben auch die Pläne in Brunsbüttel einen Haken: Voraussetzung für den Abbau sei laut Vattenfall, das der umstrittene Schacht Konrad bei Salzgitter planmäßig als Endlager für schwach- bis mittelradioaktiven Müll zur Verfügung steht. Die Anlage soll 2019 ihren Betrieb aufnehmen, Kernkraftkritiker halten diesen Termin aber für unrealistisch.