Schleusenkanal

Kräftig geholzt - Stadt fordert Schadenersatz

Geesthacht. Kahlschlag an der Schleuse: 28 alte Linden fielen in den vergangenen Tagen zwischen der Abfahrt der Bundesstraße 404 und den Einmündungen zu den Supermärkten Aldi und Famila der Kettensäge zum Opfer.

Ein Baumgutachter war zu dem Schluss gekommen, dass die Bäume nicht mehr überlebensfähig wären.

Während der Bauarbeiten für den neuen Hochwasserschutz waren die Wurzeln der Bäume so stark beschädigt worden, dass ihre Standfestigkeit gefährdet war.

Die betroffenen Linden standen an dem Radweg, der am oberen Schleusenkanal entlang führt. Weil dieser Radweg im Zuge der Bauarbeiten neu angelegt werden musste, hatte es eigentlich extra strenge Auflagen für die ausführende Baufirma gegeben. So sollte das Erdreich im Bereich des Wurzelwerks der Linden nach Angaben der Stadtverwaltung durch die beauftragte Baufirma eigens per Hand ausgehoben werden, um die Wurzeln nicht zu schädigen. "Die Baufirma hat sich an diese Abstimmung nicht gehalten und mittels Bagger und Radlader alle Wurzeln im Bereich der Radwegtrasse herausgerissen", sagt Torben Heuer, der Sprecher der Stadtverwaltung. Folge: Nach Einschätzung eines Baumgutachters war aufgrund der nicht mehr gewährleisteten Standfestigkeit der Bäume "Gefahr im Verzug", so dass die Linden sofort gefällt werden mussten.

Die 28 Linden entlang der Schleusen waren durch die unzulässig ausgeführten Bauarbeiten einfach zu stark geschädigt.

Während der eigentlichen Bauarbeiten für den Hochwasserschutz, die schon seit einem Jahr laufen, hatten die Arbeiter die Bäume noch extra aufwendig geschützt, um Beschädigungen zu verhindern. Vorab hatten Mitarbeiter der Firma "BaumRinge" im Auftrag der Stadt zwischen der Schleuse und dem Hafen des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) jede Menge Kleinholz gemacht. Im Februar 2011 fällten sie zahlreiche Pappeln, Birken, Ulmen und andere Bäume. Die Maßnahme damals war nötig, um einen vernünftigen Hochwasserschutz aufbauen zu können. Das Holz der Bäume wurde an Ort und Stelle geschreddert und anschließend als Brennstoff an ein Heizwerk in Hamburg geliefert.

Für die jetzt fahrlässig beschädigten Bäume fordert die Stadt einen Ausgleich von der Baufirma. Heuer: "Die Tiefbaufirma wird hierzu regresspflichtig gemacht und muss die anfallenden Kosten übernehmen." Noch sei die Höhe der Kosten nicht bekannt.

Insgesamt kostet der neue Deich am unteren Schleusenkanal und die Spundwand am oberen Schleusenkanal rund 5,5 Millionen Euro.

Wegen des Natureingriffs musste die Stadt bereits einen umfangreichen ökologischen Ausgleich umsetzen.

Unter anderem wurden dazu auf der Elbinsel vom früheren Schleusenleitdamm "transplantierte" Grassoden neu angepflanzt. Auch neue Büsche und Bäume wurden bereits gepflanzt.