Bahnhof

Standardbriefe statt Kundenservice

Geesthacht (ger). Wer schnell beim Einkauf einen Brief auf die Reise schicken will, muss gut zu Fuß sein.

Denn seit ein beliebter Postkasten aus der Fußgängerzone verschwand, müssen die Briefeschreiber zum Schiller-Center oder zur Post laufen - gerade für Ältere sind das beschwerliche Wege. Der Seniorenbeirat wollte mit einer konstruktiven Lösung für Abhilfe sorgen - doch die blitzte bei der Post ab. Vorerst zumindest.

Tatsachen wurden bereits im Mai vergangenen Jahres geschaffen: Ganz unauffällig demontierte die Deutsche Post ihren zentralen Briefkasten in der Fußgängerzone direkt vor der Deutschen Bank ab. Erst glaubten viele Nutzer an einen schlechten Scherz - doch wenn die Mühlen der Bürokratie mahlen, verliert meist der Bürger: So hatte die Stadt der Post eine Durchfahrtsgenehmigung durch die Fußgängerzone zum Entleeren verweigert - der Dienstleister hatte daraufhin den Kasten einfach abgebaut.

Als Ersatz wurden zwei Kästen an den beiden Enden der Fußgängerzone montiert. "Gerade für ältere Menschen, die schnell noch beim Einkaufen einen Brief einwerfen wollen, sind die Wege zu lang geworden", sagte Klaus Radszuweit, Vorsitzender des Geesthachter Seniorenbeirates - und nahm Kontakt zum Sky-Center auf. Denn mit einem Briefkasten auf dem Parkplatz direkt am ZOB könnten mehr Briefeschreiber denn je erreicht werden, auch Center-Leiter Steffen Leyk unterstütze die Idee engagiert.

Wenig Begeisterung löste die Idee dagegen bei der Deutschen Post aus: "Dort hat man die Idee scheinbar nicht mal richtig geprüft, denn auf mehrere Briefe haben wir nur Standardschreiben bekommen", so Hilde Eichstedt von der Arbeitsgruppe Senioren im öffentlichen Verkehrsraum. Unter anderem bittet die Post um Entschuldigung für die "entstandenen Unannehmlichkeiten" und freut sich, "künftig wieder von der Qualität unserer Leistungen überzeugen zu können." Auf die Briefkastenfragen geht das Schreiben vom 8. Oktober nicht ein. Im Juli hatte die Post sich noch gebrüstet, dass "die vom Gesetzgeber in der Post-Universaldienstleistungsverordnung vorgeschriebenen Qualitätsmerkmale deutlich übertroffen wurden." Demnach sei in Geesthacht in einem Radius von durchschnittlich 500 Metern ein Briefkasten zu finden - vorgeschrieben seien 1000 Meter. Auf die gewünschte Verlegung im Kundensinne war die Post jedoch nicht eingegangen.

Beim Seniorenbeirat ist der Frust mittlerweile groß - doch eine Hoffnung bleibt: Nach einem Anruf unserer Zeitung beschäftigte sich die Post mit der Standortfrage in Geesthacht. "Wir werden die Verlegung jetzt noch einmal wohlwollend prüfen", sagte Post-Pressesprecher Martin Grundler - und versprach eine Entscheidung in den kommenden Tage.