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Trommeln für Japan hat sich gelohnt

Börnsen. Menschen, die zusammen Tee trinken, gemeinsam musizieren oder in einem kleinen Kaufhaus einkaufen gehen: Das sind Szenen, die es in Onagawa an der Nordostküste Japans monatelang nicht gab.

Für Hidefumi Suzuki sind sie ein Zeichen dafür, dass man wieder hoffen darf - auf eine Zukunft, ein Leben nach dem 11. März 2011. Da nämlich überflutete der schlimmste Tsunami in der Geschichte Japans 460 Quadratkilometer des Landes. Darunter auch die Heimatstadt des Börnseners Hidefumi Suzuki, Onagawa an der Nordostküste Japans. Das gesamte Stadtzentrum und der Fischereihafen wurden verwüstet - auch das Elternhaus des Japaners fiel den Wassermassen zum Opfer. Doch heute, eineinhalb Jahre nach dem Unglück, können die Menschen langsam wieder hoffen. Und das ist auch Hidefumi Suzuki, seiner Lebensgefährtin Ingeborg Paetow und zahlreichen Menschen in der Region zu verdanken, die für Onagawa gespendet haben.

Etwa 50 000 Euro hat das Börnsener Paar gesammelt und nach Japan geschickt, wo der Bruder von Hidefumi Suzuki eine Bürgerinitiative zum Wiederaufbau der Stadt Onagawa gründet hat. Im August war der Börnsener für einen Monat in Onagawa und hat erfahren, was mit dem Geld genau passiert ist.

"Viele Projekte der Bürgerinitiative sollen den Menschen dabei helfen, aus ihrer Lethargie herauszukommen", erzählt Suzuki. So ist zum Beispiel der Bau eines Cafés unterstützt worden. Weiterer Vorteil: Das Café bietet drei Menschen einen Arbeitsplatz. Außerdem eröffnete mit Hilfe der Bürgerinitiative ein sogenannter "Tee-Trinken-Club" auf dem Gelände des regionalen Medizincenters. Hauptziel des Clubs ist es, Senioren, die noch in Übergangswohnungen leben müssen, einen Treffpunkt zu bieten, wo sie sich aufhalten, klönen und kostenfrei Tee trinken können. "Damit die Menschen nicht vereinsamen", sagt Suzuki. Bei dem Tsunami sind allein in Onagawa Tausende Menschen umgekommen.

Auch die örtliche Trommelgruppe "Todoroki", die hauptsächlich aus Schülern der Grundschule besteht, hat von den Spenden aus unserer Region profitiert. Die jungen Musiker verloren bei der Flut ihre Trommeln und die Teambekleidung. Beides konnten sie jetzt neu anschaffen.

"Die Bürgerinitiative und die Stadt arbeiten zusammen, versuchen einerseits, die Infrastruktur wieder aufzubauen und neue Arbeitsplätze zu schaffen", erläutert Hidefumi Suzuki. Deshalb werde zum Beispiel auch fieberhaft an dem Neubau eines großen Tiefkühllagerhauses für die Fischindustrie gearbeitet. "Andererseits gilt es, die Menschen zu motivieren, etwa durch Feste oder die Förderung heimischer Produkte." Damit die Einwohner wieder Mut fassen, sich etwas aufzubauen. Manchmal sind die Wege dafür unkonventionell: So gibt es etwa einen Inder, der ein Curry-Restaurant in der Nähe von Tokio betreibt. Er hat ursprünglich dabei geholfen, die Tsunami-Opfer in Onagawa zu bekochen. Dabei entwickelte er ein Rezept für ein milderes Curry, das die Menschen hier besser vertragen. Das hat er der Stadt zur Verfügung gestellt. So konnte die Stadt ein Geschäft für "Onagawa Curry" eröffnen. Wieder hatten ein paar Menschen Arbeit. Die Bürgerinitiative unterstützte "Onagawa Curry" bei der Inneneinrichtung des Ladens.

Auch das kleine "Kaufhaus Shimizu" konnte mit Hilfe der Spendengelder aus Deutschland gebaut werden. Hier kaufen an die 400 Bewohner der Bezirke Shimizu und Shinden ein.

"Wir möchten uns noch einmal ganz herzlich bei allen Spendern für die Hilfe bedanken", sagt Suzuki, der weiterhin regelmäßig nach Onagawa reisen will und die Entwicklung der Stadt verfolgen wird.