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Chance auf Drillinge liegt in Europa bei 0,01 Prozent

Die Geesthachterin Tanja Giese hat - ohne künstliche Befruchtung oder Hormonbehandlung - Drillinge geboren. Eigentlich ein kleines Wunder. Denn die Chance auf eine solche Mehrlingsgeburt liegt in Europa bei 0,01 Prozent, weiß Dr. med. Martin Neuss vom Johanniter-Krankenhaus.

"Normalerweise produzieren die beiden Eierstöcke einer Frau wechselseitig reife Eizellen. Beide können aber auch mal gleichzeitig reife Eizellen produzieren", sagt Neuss. Und extrem selten entwickeln sich auch zwei reife Eizellen in einem Eierstock. Beim Geschlechtsverkehr können diese Eizellen befruchtet werden. "Möglich ist andererseits auch, dass sich eine befruchtete Eizelle teilt." Gegebenenfalls auch mehrmals. Im Fall von Tanja Giese sind zwei Eizellen befruchtet worden, von denen sich eine nochmals geteilt hat. So entstanden zwei eineiige und ein zweieiiger Drilling.

Es gibt Familien, in denen häufiger Zwillingsschwangerschaften vorkommen, deshalb halten Wissenschaftler einen genetischen Zusammenhang für wahrscheinlich. "Ob das wirklich so ist oder nicht doch einfach Zufall, ist bisher noch unbekannt", sagt Neuss.

Bei einer künstlichen Befruchtung steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich im Mutterleib zwei oder mehr Kinder entwickeln. "Es werden in der Regel mehrere Embryonen eingesetzt, weil ein relativ hohes Risiko besteht, dass sich ein eingepflanzter Embryo nicht entwickelt und wieder abstirbt."

Mehrlinge kommen oft zu früh zur Welt. "Wegen der starken Dehnung der Gebärmutter setzen die Wehen automatisch früher ein." Außerdem steige ab einem gewissen Zeitpunkt das Risiko, dass die Kinder im Mutterleib absterben. Auch Ricco, Tyler und Danny sind Frühchen, kamen im siebten Monat zur Welt - nur 3,5 Kilogramm wogen alle zusammen. Zwei der Brüder haben deshalb immer noch ein stecknadelkopfgroßes Loch in ihrem kleinen Herzen, das aber bis zum Alter von zwei Jahren zuwächst. Inzwischen wiegen die kleinen Racker jeder um die sieben Kilo.

Im Johanniter-Krankenhaus gibt es im Jahr ein bis sechs Zwillingsgeburten. "Drillinge würden wir nur im absoluten Notfall auf die Welt holen, wenn akute Lebensgefahr für Mutter und die Kinder besteht oder sich eine Geburt nicht aufhalten lässt", sagt Neuss. Das Risiko, dass Drillinge in Geesthacht nicht ausreichend versorgt werden könnten, sei zu groß. Das Klinikum Lüneburg sei zum Beispiel für solche Fälle gerüstet. "Zum Glück ist ein solcher Notfall hier noch nicht vorgekommen", sagt Neuss, was auch daran liege, dass Frauen mit Drillingsschwangerschaften von vornherein in ein Perinatalzentrum gebracht werden. In einem solchen Zentrum (perinatal, lat.: um die Geburt herum) sind alle an der Geburt beteiligten Fachdisziplinen unter einem Dach versammelt - von der Geburtshilfe über die Anästhesie (Narkosemedizin) bis zur Neonatologie (Neugeborenen-Heilkunde).