Leserbrief: Zuschüsse zur Sanierung

"Das ist der tägliche Irrsinn von Steuerverschwendung"

Betr.: "150 000 Euro Sanierungszuschuss", Geesthacht-Seite vom 19. 9. 2012

Da heute nicht der 1. April ist, dachte ich zunächst an einen Druckfehler. 150 000 Euro soll ein Eigentümer für Modernisierung und Instandsetzung seines Gebäudes von der Stadt, d. h. uns Steuerzahlern, erhalten! Da der Text diese Summe plus weitere 300 000 Euro Steuergelder bestätigt, handelt es sich also weder um Scherz noch Druckfehler, sondern um einen neuen Akt im Tollhaustheater "Rund um St. Salvatoris".

Zweifellos muss man die Beharrlichkeit bewundern, mit der die Verantwortlichen ihre Idee weiter verfolgen getreu dem Motto "Wer den Überblick verloren hat, muss wenigstens die Marschrichtung vorgeben", aber gibt es nichts Wichtigeres?

Da lesen wir täglich von Mangel an Kitaplätzen, drohender Altersarmut, dem Auseinanderklaffen der Schere zwischen Arm und Reich und, und, und . . . Und dann erhält eine Privatperson 150 000/450 000 Euro Zuschuss für seine Immobilie? Unsere Nachbarn haben ihr Haus, das ca. zehn Meter außerhalb des "Sanierungsgebietes" liegt, mit viel Eigenleistung und teuren Krediten saniert - ohne einen Euro Zuschuss. 450 000 Euro Zuschuss für eine Privatperson? Kann das wahr sein? Oder ist "der Besitzer" die Stadt, die ja bereits gegenüber ein bis heute erfolgreich leer stehendes Objekt erworben und saniert hat?

Frau Ellerbrock kann beruhigt sein: Eine Veränderung der Fassade würde der staunende Geesthachter Steuerzahler kaum wahrnehmen, weil er fast ausschließlich den Fußweg entlang dieses Objektes nutzt und so nur das (jetzt tatsächlich scheußliche) Erdgeschoss sieht, und die Autofahrer konzentrieren sich zum Glück auf die unübersichtliche Kurve und würden gar nichts wahrnehmen von dieser neuen Perle im Dunstkreis um St. Salvatoris.

Nein, was wir aber auch in unserer kleinen Stadt wahrnehmen, ist der alltägliche Irrsinn im Umgang mit Steuergeldern. Da brauchen wir keine kritischen Fernsehmagazine, den "Spiegel" oder die "Schwarzbücher" des Bundes der Steuerzahler. Die Verantwortlichen wissen, dass sich - vielleicht - jemand kurz aufregt (so wie ich jetzt), aber morgen ist die Angelegenheit Schnee von gestern, und man macht fröhlich weiter.

Gerd Kipcke

21502 Geesthacht