Himmelscheibe

Wertvoller Blick in die Sterne

Geesthacht. Gern hätte Wolf Rüdiger Busch das Original im Krügerschen Haus präsentiert. "Doch die Himmelsscheibe von Nebra hat einen Versicherungswert von 100 Millionen Euro.

Das gab unser Etat nicht her", sagt der Leiter des Geesthacht Museums. "Aber auch mit der Nachbildung der Himmelscheibe von Nebra zeigt das Geesthachter Museum eine außergewöhnliche Sonderausstellung", sagt Busch. Unter dem Titel "Der Himmel auf Erden" erzählt die Schau die Geschichte einer Scheibe aus Bronze, die Experten als einen der wichtigsten Funde der Menschheitsgeschichte bezeichnen.

Als älteste konkrete Himmelsabbildung der Menschheit lässt die Himmelsscheibe uns wie durch ein Schlüsselloch einen Blick in die geistige Welt der Bronzezeit werfen. "Kaum jemand hätte gedacht, dass die Menschen damals so viel astronomisches Wissen bis hin zur Astrophysik hatten. Wir stellen uns die Bewohner der Bronzezeit eher als dumpfe Wilde in Fell gekleidet vor", sagt Busch.

Die Bronzescheibe mit Goldapplikationen zeigt die bislang älteste konkrete Darstellung des Kosmos weltweit. Sie gilt als perfekter Sonnen- und Mondkalender. Die Scheibe wurde am Ende der Bronzezeit etwa 1600 Jahre vor Christus auf dem Gipfel des Mittelberges bei Nebra deponiert. Die Ausstellung bietet eine perfekte Masterkopie und der mit ihr zusammen gefundenen Schmuckstücke wie Waffen und Gerätschaften, außerdem originalgroße, dreidimensionale Rekonstruktionen der Himmelsscheibe in ihren fünf Entwicklungsphasen. Im Original sind dagegen Rohmaterialien wie Gold, Kupfer und Zinn zu sehen. Außerdem erfahren die Besucher, wie die Sternenscheibe funktionierte. Mehrere Kurzfilme informieren über den Fund der Scheibe, für Kinder gibt es ein Riesen-Puzzle.

Doch was verbindet der Fund aus Sachsen-Anhalt mit Geesthacht? "Natürlich sind wir froh, mit unserem kleinen Museum die zwölfte Station bundesweit und die erste Anlaufstelle in der Region dieser wertvollen Wanderausstellung zu sein", sagt Busch. "Für uns ist das ein idealer Bezug zum bronzezeitlichen Hügelgrab in Grünhof-Tesperhude, dem einzigen seiner Art nördlich der Elbe. Außerdem schließt sich der Kreis, weil an der Sternwarte in Bergedorf damals ein junger Doktorand maßgeblich bei der Entschlüsselung der Sternenkonstellation auf der Scheibe half", sagt Busch. Beide Aspekte sollen in mehreren Referaten in den kommenden Monaten vertieft werden.

Eröffnet wird die Ausstellung am Montag, 8. Oktober, um 19 Uhr im Geesthacht Museum (Bergedorfer Straße 28) in Geesthacht. Es sprechen Bürgermeister Volker Manow, Museumsleiter Wolf-Rüdiger Busch und Dr. Bernd Zich, Abteilungsleiter Landesmuseum für Vorgeschichte Sachsen-Anhalt. Gäste sind willkommen.

Die Ausstellung "Ein Himmel auf Erden" ist bis zum 3. März 2013 täglich von 11 bis 17 Uhr im Krügerschen Haus (Bergedorfer Straße 28) zu sehen. Der Eintritt kostet 2,50 Euro (ermäßigt 1,50).