Krankheit

Bürgermeister muss Amt niederlegen

Hohenhorn. In einem sehr emotionalen Brief an die Bürger in seiner Gemeinde verkündet Hohenhorns Bürgermeister Hans-Jürgen Meinert seinen Abschied vom Amt. Eine schwere Erkrankung zwingt den pensionierten Lehrer zu dieser Entscheidung.

Er werde alle Kraft aufbringen müssen, um seine Krankheit zu bekämpfen, sagte der 67-Jährige in einem Gespräch mit unserer Zeitung, deshalb müsse er das Amt zum Ende des Monats aufgeben.

Vermutlich, so die Einschätzung der Amtsverwaltung, wird die Hohenhorner Gemeindevertretung schon in ihrer Sitzung im September einen Nachfolger wählen, der die Amtsgeschäfte bis zur Kommunalwahl im Frühjahr 2013 fortführt. Allerdings ist unklar, ob sich dafür ein Kandidat findet.

Vor rund zehn Jahren hatten sich Gemeinderäte an Meinert gewandt und ihn animiert, sich als Bürgermeister zur Wahl zu stellen. "Nicht der Titel 'Bürgermeister', sondern Veränderungen in unserer Gemeinde waren mir in der Amtszeit wichtig. Als eine breite Mehrheit noch vor der Wahl ein gemeinsames Programm unterzeichnete, willigte ich schließlich ein", erinnert sich Meinert. Er gilt als Typ, der stets zwischen den Interessen vermittelt, sogar den langen Streit mit der Nachbargemeinde Dassendorf um die Schule in den Griff bekam. Meinert hat trotz CDU-Parteibuch eine ausgesprochen soziale und grüne Ader.

In Hohenhorn wurde am Ebersoll ein Neubaugebiet entwickelt, das noch 3000 Quadratmeter Bauland als finanzielle Reserve bietet. Aus den Verkaufserlösen der ersten Bauplätze konnte der Bau eines lang ersehnten Gemeindehauses finanziert werden. Das Geld reichte sogar für eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach, die jetzt Ökostrom erzeugt und Geld in die Gemeindekasse bringt. Hohenhorn gilt als schuldenfrei und geeint.

"Wir haben die vereinbarten Ziele ausnahmslos erreicht und ich hatte ohnehin geplant, mich nach der nächsten Wahl aus der Politik zurückziehen", sagt Meinert. Nun zwingt ihn die Erkrankung zu einem überstürzten Verzicht. "Ich muss das kreative Ehrenamt niederlegen", teilt Meinert den gut 500 Hohenhornern in seinem Brief mit. "Ich wollte eigentlich nach meiner Amtszeit viel reisen und Rad fahren, nun muss ich sehen, wie es weitergehen kann", sagt der 67-Jährige. Der über die Grenzen der Gemeinde hinaus beliebte Bürgermeister bedankt sich ausdrücklich für die tolle Zusammenarbeit in der Gemeindevertretung, für Anregungen, Widerstand und angebrachte Kritik. "Erst die ergebnisoffene Abwägung der eigenen Ideen mit den kontroversen Zielen anderer Menschen bietet die Chance, auf Dauer zufriedenstellende Ergebnisse zu erarbeiten", schreibt Meinert und ruft die Bürger dazu auf, sich verstärkt gemeindlich zu engagieren. Seinem Nachfolger wünscht er "Mut, Zuversicht und die Fähigkeit, gute Wege fortzuführen".