Jubiläum

Start ohne PC oder Faxgerät

Geesthacht. Als Claudia Keyser am 1. August 1987 ihre Ausbildung zur Bankkauffrau begann, bezahlte man mit der D-Mark. Den Dax hielten die meisten Bundesbürger noch für einen scheuen Waldbewohner - und Computer gab es in der Filiale der Vereins- und Westbank noch nicht.

25 Jahre sind seitdem vergangen - und die 44-Jährige ist während ihrer gesamten Laufbahn der Geesthachter Filiale treu geblieben. Heute feiert sie Jubiläum. "Ich arbeite seit einem Vierteljahrhundert hier, aber mein Beruf hat sich seitdem total verändert", sagt die Geesthachterin. So standen am Anfang der Karriere administrative Aufgaben im Mittelpunkt - Beratung kam damals an zweiter Stelle. "Die Kunden fragten mal nach Vermögenswirksamen Leistungen oder nach einem kleinen Sparvertrag. Alles andere war noch die Ausnahme", sagt die Bankerin.

Heute ebenfalls kaum denkbar: Ende der 80er-Jahre musste Claudia Keyser bei Wind und Wetter um 9.30 Uhr an die Norderstraße - und einem VHH-Busfahrer den Koffer samt allen aktuellen Belegen in die Hand drücken. "Der Koffer wurde dann in Bergedorf von einem Kollegen in Empfang genommen. Fax oder elektronische Verarbeitung gab es einfach noch nicht." Und auch der tägliche Anruf bei der Deutschen Börse in Frankfurt ist in Zeiten des Internets längst Geschichte: Von einer Ansage wurden damals noch Aktienkurse per Hand abgeschrieben und in der Filiale ausgehängt. "Damals spielte auch Bargeld noch eine viel größere Rolle. Immer um den ersten eines Monats gab es lange Schlangen an den Kassen, weil die Kunden ihr Gehalt bekommen hatten", sagt Keyser.

Noch mehr Menschen stürmten die Geesthachter Filiale, als im Herbst 1989 die Mauer fiel. "Auch wir zahlten jedem DDR-Bürger 100 Mark Begrüßungsgeld aus, mehrere Wochen lang war der Ansturm so groß, dass wir sogar sonnabends und sonntags geöffnet hatten. Das war schon sehr emotional", sagt die Geesthachterin. Zwölf Jahre später ging es erneut emotional zu, als sich die Mark verabschiedete und der Euro Zahlungsmittel wurde. "Als Euro-Beauftragte musste ich vorher genau ausrechnen, wie viele Münzen und Scheine in unserem Tresor Platz haben. Das war eine völlig neue Erfahrung." Und gehört zu den Schlaglichtern der vergangenen 25 Jahre Berufsleben.

Doch nicht nur der Beruf hat sich in einem Vierteljahrhundert gewandelt - viermal hat sich für sie auch der Arbeitgeber geändert, auch wenn Claudia Keyser immer ihrer Filiale treu geblieben ist: So wurde 1994 aus der Vereins- und Westbank die Vereinsbank, 1998 folgte dann die HypoVereinsbank - und seit 2009 gehört das Geldhaus zu UniCredit. "Ich bin froh, dass ich trotzdem immer in meiner Heimatstadt arbeiten konnte. Denn es ist schon etwas Besonderes, seine Kunden manchmal morgens schon im Schwimmbad oder in der Fußgängerzone und später dann am Schalter zu sehen. Dass schafft Nähe", so Keyser. Die Rente ist für die Bankerin aber noch in weiter Ferne - und das ist auch gut so. "Mir macht der Beruf auch nach 25 Jahren noch viel Spaß. Und mein 40-jähriges Jubiläum will ich hier auf jeden Fall noch feiern", sagt Claudia Keyser.