Filmprojekt

Gemeinde St. Thomas kommt nicht zur Ruhe

Geesthacht. Die Kirchengemeinde St. Thomas hat schwierige Zeiten hinter sich. Schon Anfang 2011 trat der Kirchenvorstand nach Querelen mit Pastor Götz Dietrich Scheel zurück, dann wurde der Seelsorger versetzt.

Im Juni 2012 zerschlug sich die Hoffnung, bald einen Nachfolger zu haben, der die Gemeinde dauerhaft zusammenhält und Neues gestaltet. Rüdiger Fuchs hatte sich vorgestellt, doch Bischöfin Kerstin Fehrs sagte ihm ab - es wird weitergesucht. Doch auch sonst kommt die Gemeinde nicht zur Ruhe. So sorgt jetzt ein Filmprojekt für Unstimmigkeiten.

Seit Februar arbeiten Uwe Knehls und Michael Petersen mit einer Gruppe von etwa zehn Jugendlichen an einem Film. Für die beiden Ehrenamtlichen ist das Projekt ein wichtiger Schritt, um wieder eine Jugendarbeit in der St.-Thomas-Gemeinde aufzubauen. Uwe Kehls hat 25 Jahre im Hamburger Studio des NDR gearbeitet. Er wirkte an zahllosen Fernsehproduktionen wie "Tatort" und "Großstadtrevier" mit, hat viel Erfahrung im Umgang mit Licht- und Bühnentechnik. Michael Petersen ist Mitglied des neuen Kirchengemeinderates (früher: Kirchenvorstand) und gelernter Radio- und Fernsehtechniker. Er hat seine ersten Studioerfahrungen bei der Produktion der Mondlandung von Apollo 11 gemacht. Danach arbeitete er mehrere Jahre lang im Tonstudiobau. "Wir schaffen die Voraussetzungen und die Jugendlichen drehen den Film nach ihren Vorstellungen" - das war seine Maßgabe.

Darum fand er es auch nicht schlimm, als die 10- bis 17-Jährigen sich statt für den ursprünglich anvisierten Dokumentarfilm über Grünhof für einen Spielfilm zum Thema Mobbing entschieden. Titel: "Nobody's Friend?!" Es geht um eine Schülerin, die an eine neue Schule kommt und dort einen schwierigen Start erlebt.

"Der Kirchengemeinderat hat von uns verlangt, dass wir mit einer Pastorin vom Jugendpfarramt zusammenarbeiten. Das Thema Mobbing müsse pädagogisch begleitet werden", erzählt Petersen. Zudem sei der Gruppe als Arbeitstitel das biblische Gebot "Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten" nahe gelegt worden.

"Wir haben mit den Jugendlichen über diese Auflagen gesprochen und es war einhellige Meinung, dass wir uns so nicht reinreden lassen möchten", sagt Michael Petersen. Er sei enttäuscht, dass mit ehrenamtlichem Engagement so umgegangen werde. Diskussionen im Kirchengemeinderat hätten gezeigt, dass er dort mit seiner Meinung alleine sei. Die Konsequenz: Die Gruppe hat das Gemeindezentrum St. Thomas an der Westerheese verlassen und ist ins Vereinshaus der Wassersportgemeinschaft Grünhof-Tesperhude an der Elbuferstraße umgezogen.

Von "Auflagen" sei keine Rede gewesen, sagt dagegen Wolf-Dieter Kamp, Vorsitzender des Kirchengemeinderates. Es seien lediglich Bitten und Erwartungen gewesen. "Ich glaube nicht, dass die Jugendlichen damit ein Problem hatten. Es waren wohl eher die Projektleiter", so Kamp. Mobbing sei ein wichtiges Thema unter Jugendlichen, eine fachkundige Begleitung darum angeraten. Und dass ein christlicher Rahmen vorhanden sein müsse, sei doch selbstverständlich.

Der Kirchengemeinderat will den abtrünnigen Schäfchen den Weg zurück ermöglichen. Kamp: "Der Raum in unserer Gemeinde steht der Gruppe weiterhin offen. Das habe ich Herrn Petersen auch mitgeteilt".