Jugendherberge

Vom Kiez ins grüne Geesthacht

Geesthacht. Von St. Pauli nach Geesthacht - das ist eine ganz schöne Veränderung. Aber für Christian und Melanie Walczak hat sich damit auch ein großer Wunsch erfüllt: Sie haben jetzt ihre "eigene" Jugendherberge.

Seit April führt das Paar die Geesthachter Jugendherberge an der Berliner Straße. Sie haben Bernd Seidenpfennig abgelöst, der nach knapp eineinhalb Jahren wegen eines Krankheitsfalls wieder bei seiner Familie in Köln sein wollte.

"Ich habe in der Jugendherberge auf dem Stintfang gearbeitet und dort sehr viel gelernt", sagt Christian Walczak. Dort konnte es vorkommen, dass an einem einzigen Tag 300 Gäste abreisten und 300 neue eincheckten. "Für mich war immer klar, dass ich Herbergsvater werden will", sagt Christian Walczak. Der 32-Jährige ist gebürtiger Dortmunder und hat eine Ausbildung als Hotelkaufmann. Seine Frau Melanie, gelernte Einzelhandelskauffrau, wird sich besonders um das Marketing kümmern. Zur Familie gehört auch noch Sohn Leopold, zweieinhalb Jahre alt. "Es war nicht einfach, für ihn einen Krippenplatz zu finden. Jetzt kann er ab August in die Kita 'Regenbogen' am Neuen Krug. Das erleichtert uns die Arbeit sehr", sagt Melanie Walczak, die eine 30-Stunden-Stelle hat.

Die Geesthachter Jugendherberge sei genau das Richtige für eine Familie, meint ihr Mann: "Wir haben vorher auf St. Pauli gewohnt. Aber hier kann Leopold endlich viel draußen spielen." Ganz so hektisch wie auf dem Stintfang wird es in Geesthacht wohl nicht werden. Aber trotzdem haben die neuen Herbergseltern alle Hände voll zu tun.

Die Ferienzeit und der Sommer sorgen für viele Gäste: "Wir haben viele Familien hier, die mit ihren Kindern Hamburg erkunden", so Christian Walczak. Auch Radler, die im Mai und Juni wegen des schlechten Wetters fernblieben, übernachten gern in der Jugendherberge mit ihren 111 Betten in 27 Zimmern.

Für Trubel sorgen auch die Teilnehmer des Englisch-Camps, das Bernd Seidenpfennig noch angeschoben hatte, eine der Maßnahmen, die für eine bessere Auslastung des Hauses sorgen sollen. 40 Kinder machen jeweils eine Woche lang mit - und das viermal hintereinander. "Wir hatten mehr Anmeldungen als Plätze", sagt Christian Walczak, der die Jugendherberge liebevoll mit englischen Fahnen dekoriert hat. "No smoking" steht an der Tür, englische Zeitungen liegen aus. Organisiert und betreut wird das Camp vom Verein "Komm.aktiv".

"Der Service ist hier hervorragend, locker und nett", sagt Axel Pulvermüller, der das Camp mit Mila Jung leitet. Passend zum Olympiaauftakt in London organisieren die Kinder heute ihre eigene Olympiade, sprechen dabei mit ihren Gruppenleitern Englisch. "Es ist super. Jeden Tag machen wir was anderes", sagt Fabian aus Braunschweig. Und Lisa aus Buchholz erklärt sogar den Wasserparcours ihrer Gruppe auf Englisch.

Das Englisch-Camp soll auch in den Herbst- und Osterferien angeboten werden. "Möglicherweise ist es auch für Schulklassen interessant. Und Familien könnten es gemeinsam besuchen", sagt Christian Walczak.

Er will künftig mehr junge Familien nach Geesthacht holen und die Angebote für Schulen weiter ausbauen - mit einzeln buchbaren Tagesmodulen wie dem Besuch des Hochseilgartens oder des Schülerlabors "Quantensprung". Denn es sollen noch mehr Gäste kommen. 2010 hatte die Zukunft der Jugendherberge auf dem Spiel gestanden, weil es nur 11 200 Übernachtungen gab. 2011 verzeichnete Bernd Seidenpfennig immerhin schon 13 400 Übernachtungen - ein Plus von 20 Prozent.