Leserbrief: Überschwemmungen durch Regen

"Verwendung von alten Statistiken ist fahrlässig"

Betr.: "17,7 Liter Regen waren zu viel", Geesthacht-Seite vom 3. 7. 2012

Wenn es um Schäden durch Regenwasser oder um die Bemessung von Kanalisation oder Regenrückhaltung geht, wird z. B. auf das 100-, 20- oder auch 5-jährige Niederschlagsereignis Bezug genommen, also auf ein Ereignis, das - statistisch gesehen - nur einmal in 100, 20 oder fünf Jahren vorkommt. In den letzten Jahren allerdings traten am Ostrand Hamburgs viel öfter derartige Starkregenereignisse auf.

Wenn jedoch innerhalb von zwei Jahren sechsmal ein - statistisch betrachtet - 20-jähriges (oder stärkeres) Niederschlagsereignis eintritt, lässt das nur einen Schluss zu: die zugrunde gelegte Statistik ist entweder veraltet oder falsch.

Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge ist über die letzten Jahrzehnte angestiegen. Insbesondere aber hat die Zahl und Intensität einzelner Starkregenereignisse zugenommen. Dies ist auch den Behörden seit den 90er-Jahren bekannt. Dennoch bezieht man sich weiterhin auf veraltete Statistiken.

Es ist jedoch für von Überschwemmungen betroffene Bürger ebenso wie für Abwasserbetriebe und Versicherungen von Bedeutung, ob ein Schaden verursachendes Regenereignis als "Starkregen" oder "normaler Regen" eingestuft wird. Daran entscheidet sich, wer für die Schäden aufkommen muss. Meines Erachtens handelt jeder mindestens grob fahrlässig, der den Neubau von Entwässerungsanlagen weiterhin an veralteten Statistiken bemisst.

Karsten Lieberam-Schmidt, 21465 Reinbek