Tankstellen

Preissturz trotz Ferienbeginn

Geesthacht. Beginnen die Ferien, schießt der Benzinpreis in die Höhe. Das gilt unter Autofahren schon als unvermeidliches Ärgernis.

Doch seit Tagen locken die Tankstellen in Geesthacht und Umgebung mit Sprit für 1,48 Euro (E10) und weniger, Diesel liegt das erste Mal seit Monaten bei 1,35 Euro. Da reibt sich so mancher Autofahrer beim Blick auf die Preisanzeige verwundert die Augen.

Auch Patrick Seeliger blickte gestern mit einer Mischung aus Freude und Verwunderung an die Preistafel der Esso-Tankstelle in Geesthacht. "Ich fahre etwa 800 Kilometer im Monat. Das macht sich in meinem Geldbeutel also schon bemerkbar", sagt der 24-Jährige, der in Marschacht wohnt und in Geesthacht arbeitet. Wirklich günstig findet er das Superbenzin, das er in seinen VW Polo tankt, aber auch nicht. "Vor einem Jahr lagen die Preise pro Liter noch deutlich unter 1,40 Euro. Das darf man nicht vergessen", sagt er.

An der Zapfsäule nebenan betankt Alfred Fischer (81) seinen Golf mit Diesel. "Gut, dass die Preise sich jetzt wieder etwas entspannen", sagt auch er. Fischer achtet aber prinzipiell darauf, günstig zu tanken. "Ich fahre meinen Tank nie leer und fahre immer an die Tankstellen, wo es gerade günstig ist", sagt er.

Gleich nachdem die Preise gefallen waren, herrschte bei Thorsten Cohrs von der Esso-Tankstelle richtig viel Betrieb. "Inzwischen hat sich das wieder etwas beruhigt. Die Kunden haben sich an die neuen Preise schon gewöhnt", sagt er. Hauptgrund für den unerwarteten Preissturz zum Ferienbeginn ist der sinkende Weltmarktpreis für Rohöl, der gerade von einer Nachfrageflaute aus den USA bestimmt wird. "Das ist durchaus üblich im Sommer. Die Benzinpreise richten sich nämlich nicht nach den Ferien", sagt Klaus Picard, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes. "Derzeit sind die Einkaufskosten sehr konstant." Ende der Woche fiel ein Barrel (159 Liter) der für Europa wichtigsten Sorte Brent an der Rohstoffbörse in London zeitweise auf 91,18 Dollar - rund 30 Dollar unter die Höchststände vom März.

Für den ADAC ist das nur ein eingeschränkter Grund zur Freude - trotz der Preissenkung sei der Spritpreis noch immer um einiges zu hoch. "Es ist noch sehr viel Luft nach unten. Das sieht man daran, dass allein in Hamburg der Literpreis um sechs Cent schwankt", sagt Carsten Willms, verkehrspolitischer Sprecher vom ADAC Hansa. Er empfiehlt den Autofahrern, frühzeitig vor dem Reiseantritt zu tanken und günstige Tankstellen zu nutzen. "Mein Tipp ist, Sonntagabend oder Montag zu tanken", so Willms.