Freibad

Aufruhr in der Damenumkleide

Geesthacht. Fast jeden Morgen sind sie da, ziehen bei Sonnenschein und Regen ihre Bahnen im Geesthachter Freibad. Doch wenn die Damen nach ihrem Frühsport aus dem Wasserbecken klettern, wenn sie sich abgetrocknet und umgezogen haben, wenn sie dann in der Damenumkleide mit Bürste, Kamm und Haarwachs vorm Spiegel stehen, dann verschwindet ihre gute Laune.

Dann verwandelt sie sich regelmäßig in Ärger. Der Grund dafür ist heiße Luft. Die kommt im Geesthachter Freibad aus acht großen, fest installierten Föhnen, die an zwei Säulen in der Mitte der Umkleidekabine hängen.

"Bei einer Kurzhaarfrisur mag das ja funktionieren. Aber wie sollen wir uns mit unseren langen Haaren damit vernünftig frisieren?", fragt Gudrun Kopitzke. Die 63-jährige Geesthachterin ist mit ihrem Ärger nicht allein. Helga Schulz (74), Anne Jährling (85) und Wiebke Heinrich (54) sehen das genauso und sprechen für eine ganze Damenschar von Freibadfrühsportlerinnen, die die Nase gestrichen voll haben vom mangelhaften Föhnangebot. "Wir brauchen Handföhne, schließlich wollen viele von uns direkt nach dem Schwimmen zur Arbeit, in die Stadt oder zum Arzt. Da kann man doch nicht so verstrubbelt hingehen", bringt Anne Jährling das Problem auf den Punkt. Die 85-jährige kommt fast jeden Morgen aus Escheburg zum Frühsport ins Geesthachter Freibad und verbindet das meistens noch mit einer Einkaufstour oder einem Besuch beim Doktor. "Man will doch ordentlich aussehen und nicht wie ein gerupftes Huhn", sagt auch Wiebke Heinrich (54) aus Dassendorf. Für sie geht's nach dem Schwimmen direkt nach Reinbek, wo sie als Erzieherin arbeitet. "Bis vor kurzem", sagt sie, "konnte man seinen Privatföhn mitbringen, aber Ende Mai wurden die Steckdosen abgeschaltet."

Seitdem braut sich Ärger zusammen in der Damenumkleidekabine. An das Rathaus und an die Stadtwerke haben die Damen sich mit ihrem Frust schon gewandt. Und sie werden gehört. "Die Steckdosen mussten wir aus Sicherheitsgründen abschalten", sagt Daniela Bubber von den Stadtwerken Geesthacht. So würden oft defekte Handföhne mitgebracht, die einen Kurzschluss auslösen können. "Und wenn die, während sie laufen, auf den nassen Boden fallen, kann jemand einen elektrischen Schlag bekommen", so Bubber. Doch die Heftigkeit der empörten Frühschwimmerinnen hat die Mitarbeiter der Stadtwerke beeindruckt. "Wir werden uns um das Problem kümmern", kündigt Daniela Bubber an. Damit jede Frau individuell die Frisur formen kann, sollen Schlauchföhne angeschafft werden. "Wir versuchen noch diese Saison so einen Föhn anzuschaffen, in der nächsten Saison kommt dann noch ein weiterer dazu", kündigt Daniela Bubber an.

Ende gut alles gut? Es scheint so. "Damit wären wir vollständig zufrieden", sagt Frühschwimmerin Gudrun Kopitzke. Wie alle anderen Frühschwimmerinnen würde sie um nichts in der Welt auf ihren geliebten Frühsport verzichten. Gut aussehen will sie danach aber trotzdem.