Wohnmobilisten

Der Geheimtipp an der Elbe

Geesthacht. Sonne satt und herlicher Elbblick. Seit Anfang der 90er-Jahre kommt Wolfgang Paulisch deshalb mit seinem Wohnmobil auf den Parkplatz am ehemaligen Schiffsanleger an der Haubootsiedlung.

"So nah am Wasser zu stehen, das ist ein richtiges Filetstück. Das kann mir kein Hotel bieten", schwärmt er. Auf seinen Touren zwischen Nord- und Ostsee und seinem Heimatort Berlin ist der Geesthachter Parkplatz für ihn seit Jahren einer seiner Lieblingsstopps. Seit die Stadt den Platz zu Beginn des Frühjahres mit Stromanschlüssen, Trinkwasserzapfstelle und Abwassertank ausgestattet hat, ist Paulischs Geheimtipp allerdings auch schon in diversen Wohnmobilistenmagazinen aufgetaucht. "Jetzt wird es hier voller", sagt der 71-Jährige.

So sind Günter (60) und Sieglinde (70) Braun das erste Mal auf dem Platz - und restlos begeistert. "Abgesehen von dem Verkehr morgens auf der Straße ist das hier ein ruhiger Platz. Der Blick auf das Wasser ist einzigartig", schwärmt Günter Braun. Seit 1996 ist er mit seiner Frau mehrmals im Jahr mit dem Wohnmobil unterwegs. "Das ist einfach die schönste Art sich fortzubewegen. Man hat immer alles dabei", sagt Sieglinde Braun und öffnet den Laderaum des sieben Meter langen Wohnmobiles, in dem sich Sonnenstühle, Räder und Getränke stapeln. "Ich weiß schon gar nicht mehr, wie man einen Koffer packt", sagt sie.

Aus dem unterfränkischen Bad Neustadt brechen die Brauns immer wieder zu mehrwöchigen Touren auf. Ob Ostsee oder Andalusien, Sizilien oder Norwegen - sie waren schon fast überall - und nun eben auch in Geesthacht. "Das ist eine richtig gemütliche Stadt. Wir waren schon bummeln. Es gefällt uns gut hier", sagt Günter Braun. Nun genießt er mit seiner Frau von zwei Klappstühlen aus den Blick auf die vorbeiziehenden Transportschiffe. Wie auch Wolfgang Paulisch haben die Brauns mit ihren Wagen direkt am Wasser am Wanderweg geparkt. Nicht auf den von der Stadt dafür vorgesehen Plätzen. "Dass man hier nicht parken soll ist mir nicht klar. Da wird man nirgends drauf hingewiesen", sagt Braun. Sowohl er und seine Frau als auch Wolfgang Paulisch bevorzugen es aber, nah am Wasser zu parken. "Gerade das macht den Platz hier doch aus", sagt Paulisch.

Auch vom nahen Campingplatz in Grünhof Tesperhude haben die Wohnmobilisten schon gehört. Marcel Rousseau, der Vorsitzende des Heimat- und Fremdenverkehrsvereins, der den Platz Hohes Elbufer betreibt, hatte jüngst kritisiert, dass die Stadt 50 000 Euro ausgegeben hatte, um den Wohnmobilstellplatz auszustatten. 100 000 bis 130 000 Euro würden seinem Verein jährlich entgehen, weil Wohnmobile auf dem kostenlosen Platz stehen, statt auf dem Campingplatz. "Wenn es diesen Stellplatz hier nicht gäbe, würden wir gar nicht in Geesthacht haltmachen", sagt dagegen Günter Braun. Und Wolfgang Paulisch stimmt zu. "Wohnmobilisten sind keine Camper. Wir möchten ankommen und abfahren wann wir wollen. Und sanitäre Anlagen brauchen wir nicht, die haben wir ja dabei", sagt er. Er weiß noch nicht, wann es weiter nach Berlin geht. "Vielleicht heute noch, vielleicht morgen. Als Wohnmobilist plant man nicht", sagt er. Auch Günter und Sieglinde Braun legen sich noch nicht fest, wann es weitergeht. Nur wohin, das wissen sie schon. Fehmarn ist die nächste Station. Und werden sie den Platz in Geesthacht noch einmal besuchen? "Uns hat's gefallen. Wir kommen bestimmt wieder", sagt Günter Braun.

Ein einzigartiger Blick aufs Wasser

Wohnmobilisten sind keine Camper