Siglinde Porsch

Doktorwürde mit fast 80 Jahren

Geesthacht. Seit Jahren hatte sie sich mit der Idee beschäftigt, recherchiert, Archive gewälzt. 2010 packte Siglinde Porsch das Thema Promotion an.

Einen guten Monat vor ihrem 80. Geburtstag darf sich Geesthachts ehemalige Bürgervorsteherin jetzt ganz offiziell Frau Doktor nennen. "Ich hatte nicht den Ehrgeiz, die älteste Doktorandin Deutschlands zu werden, aber zu meinem bevorstehenden runden Geburtstag wollte ich mir doch selbst eine große Freude bereiten", sagt die Geesthachterin nicht ohne Stolz.

Die Doktorwürde und die entsprechende Urkunde erhielt die Geesthachterin von der Justus-Liebig-Universität in Gießen, wo sie ihre Arbeit im Fachbereich Ökotrophologie einreichte - und erfolgreich vor der Prüfkommission verteidigte.

Promoviert hat die 79-Jährige über den Deutschen Hausfrauen-Bund - von 1985 bis 1997 war Siglinde Porsch selbst Präsidentin des Berufsverbandes, der damals 80 000 Mitglieder zählte. "Ich verstehe meine Doktorarbeit als eine Art Chronik, gleichzeitig habe ich aber auch das Wirken des Hausfrauenbundes auf die Mitglieder und die Gesellschaft untersucht." So beschreibt die Doktorandin etwa, welche Wirkung Proteste der Hausfrauen gegen die Einführung der Plastikflasche Ende der 80er-Jahre hatte - damals eine Aktion des Hausfrauenbundes. "Das Medienecho war groß. Wir haben es sogar auf die Titelseite der Bild-Zeitung geschafft. Aber die Plastikflasche wurde dennoch eingeführt", sagt Porsch. Erfolgreicher war sie mit einer anderen Aktion: 1990 gelang es ihr, die Post zu überzeugen, zum 75-jährigen Bestehen des Hausfrauenbundes eine Briefmarke herauszugeben.

Ihr Alter war für Porsch kein Hindernis. "Ich hatte mir die Doktorarbeit seit den 80er-Jahren vorgenommen. Aber aufgrund meiner Ämter fehlte die Zeit. Die habe ich mir jetzt genommen", sagt die frühere Berufsschullehrerin.

"Wenn man ein Ehrenamt innehat, folgt ganz schnell das nächste", sagt Siglinde Porsch. So war sie Ratsherrin, Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes und saß im Aufsichtsrat der Post. Auch als Vorsitzende des Arbeiter Samariter Bundes (ASB) im Kreis Herzogtum Lauenburg machte sie sich einen Namen.

Dem Hausfrauenbund fühlt Porsch sich immer noch eng verbunden. "Auch wenn sich der Beruf der Hausfrau und das gesellschaftliche Bild stark gewandelt haben, ist der Verband immer noch wichtig", sagt sie."Denn ich bin immer noch der Meinung, dass jeder in der Lage sein sollte, selbst etwas im Haushalt zu machen. Kaum jemand kann heute noch eine einfache Linsensuppe kochen." Anleitungen und Kurse liefert bis heute der Hausfrauenbund.