Nahverkehr

Kühne Vision oder Problemlösung?

Geestacht. In 15 Minuten von Geesthacht ins Zentrum von Bergedorf, auf Schienen einfach am morgendlichen Stau auf der B 5 vorbeirauschen.

Ein Gedankenspiel der Bergedorfer CDU (wir berichteten) lässt auch die Geesthachter Parteien wieder von einem Jahrzehnte alten Wunsch träumen: Ein Bahnanschluss für Geesthacht. Nach den Grünen hat jetzt auch die Geesthachter CDU für die Ratsversammlung am Freitag (18 Uhr, Rathaus) beantragt, die Möglichkeit einer Stadtbahnverbindung auf dem AKN-Gleis nach Bergedorf zu prüfen. Doch ist die grenzüberschreitende Stadtbahn nur eine kühne Vision oder eine realistische Lösung für die Verkehrsprobleme in Hamburgs Osten?

"Eine Schienenverbindung ist nicht realisierbar und ich warne davor, hier eine Erwartungshaltung zu wecken", sagt Peter Walter. Drei Jahre lang hat er sich intensiv mit einer S-Bahn-Verbindung beschäftigt - von 1996 bis 1998, als er Bürgermeister von Geesthacht war. "Damals wurden alle Lösungen als unrealistisch abgetan, niemand kann das finanzieren", sagt Walter und verweist auf ein umfangreiches Gutachten aus der Zeit, in der auch eine Straßenbahn als Variante verworfen wurde. Mindestens 76 Millionen Mark hätte es damals gekostet, einen 20-Minuten-Takt per S-Bahn zu realisieren. So genannte Flügelzüge wären dann bis Nettelnburg gefahren, wären dort an die S-Bahn gekoppelt worden. Eine Einfädelung direkt von Geesthacht per Brücke an den Bahnhof Bergedorf hätte gar 264 Millionen Mark verschlungen - plus Betriebskosten. Die Kosten hätten sich bis heute etwa verdoppelt, schätzt Walter. "Aber auch unabhängig von den Kosten: die Verbindung hätte keinen verkehrspolitischen Vorteil, da das vorhandene Gleis an den Zentren vorbeiläuft. Man müsste also immer in den Bus umsteigen, wenn man von der Oberstadt oder von Düneberg zum Bahnhof will", sagt Walter und verweist auf das optimale Busnetz zwischen den Städten.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Karsten Steffen hat sich ebenfalls mit dem Gutachten von 1998 beschäftigt - und kommt zu einem anderen Ergebnis. "Eine Stadtbahn wäre eine Alternative. Sie hat eine deutlich höhere Transportkapazität", so Steffen. "Darüber hinaus ist vor dem Hintergrund anderer rechtlicher Grundlagen gegenüber dem Bahnrecht auch eine Anbindung an den S-Bahnhof Bergedorf möglich." Beispielsweise seien teure Bahnübergänge gar nicht mehr notwendig. Viel Diskussionsstoff also für die Ratsversammlung.