Diskussion

Warum Geesthacht künftig ein Kulturkonzept braucht

Geesthacht (pas). Kultur braucht Demokratie, um zu entstehen, Demokratie braucht allerdings auch Kultur, um lebendig zu sein - und Geesthacht braucht ein Kulturkonzept. Das waren zentrale Aussagen, der Diskussionsveranstaltung "Kultur stärken heißt Demokratie stärken", zu der am Dienstagabend Kulturschaffende des Kreises im Rathaus Geesthacht zusammengekommen waren.

Außerdem nahmen 60 Zuhörer im Ratssaal Platz. Stadtarchivar William Boehart moderierte die Debatte.

"Ich bin überzeugt, Demokratie lernen wir durch Kunst und Kultur", sagte Jutta Kürtz, Autorin und Präsidentin des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes, zu Beginn der Veranstaltung. Denn hier entstünden Visionen, Werte und Ziele, die wichtig seien, für die demokratische Entwicklung einer Gesellschaft. Daher sei es eine zentrale Aufgabe des Staates, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Kunst und Kultur wachsen könnten.

Dieser Aufgabe kommt der Staat nach Meinung von Heinz-Jürgen Lorenzen, Direktor der Büchereizentrale Schleswig-Holstein, jedoch nicht nach. "Der Politik ist es nicht ernst mit der Demokratiefähigkeit der Bürger, sonst würde sie mehr für die Bibliotheken tun", sagte Lorenzen. Und der Verbandsdirektor des Landesverbandes der Volkshochschulen Schleswig-Holstein Martin Lätzel fügte hinzu: "Ich erwarte von einer Politik, die über Ressourcen nachdenkt, dass sie auch über Ziele nachdenkt. Das vermisse ich bei vielen Politikern." Sein Vorwurf: Statt Schwerpunkte zu setzen, würde nach dem Rasenmäherprinzip alles kaputt gekürzt. Er betonte auch die Rolle von Bildung in demokratischen Prozessen und stellte die Volkshochschulen als Institutionen mit demokratischen Charakter vor, da sie in einer Art Bottom-up-Bewegung entstanden seien.

Das Dilemma vor dem die Gesellschaft steht, sprach eine Frau aus dem Publikum in ihrem Redebeitrag an: "Auf der einen Seite müssen Künstler von ihrer Kunst leben können, auf der anderen Seite müssen Kunst und Kultur aber auch für jedermann erschwinglich sein", sagte sie. - Ein Problem, für das niemand eine Lösung parat hatte. Dass Kultur jedoch tatsächlich ein Weg zur Demokratie sein kann, machte Frank Düwel, Intendant des Kultursommers, klar. Er erzählte von einem Rapmusik-Projekt mit Jugendlichen. "Diese jungen Menschen sind wütend, weil sie das Gefühl haben, dass man sie nicht hört", sagte er. Dabei hätten sie viel zu sagen. Jugendliche brauchten mehr Plattformen, um sich in der Gesellschaft und damit an demokratischen Prozessen zu beteiligen, betonte er - und bekam spontanen Applaus.

Mit einem sehr konkreten Vorschlag meldete sich am Ende der Veranstaltung aus dem Publikum Wolf-Rüdiger Busch vom Geesthacht Museum zu Wort. Er schlug vor, ein Kulturkonzept für Geesthacht zu entwickeln, in dem längerfristig überlegt werde, wie die Kultur des Ortes in einigen Jahren konkret aussehen solle. Diese Idee griff Moderator William Boehart auch in seinem Schlusswort auf. Er regte an, ein Kulturforum zu gründen, in dem sich Personen aus Politik und Kultur zusammensetzen, um darüber zu beraten, in welche Richtung die Kultur der Stadt in nächster Zeit gehen solle und welche Möglichkeiten es dafür gebe.