Drillinge

Drei auf einen Streich

Geesthacht. Über dem Kinderbettchen baumelt ein Mobile. Drei kleine Plüschentchen hängen daran. Ein grünes, ein rotes und ein blaues. Soweit nicht ungewöhnlich.

Doch dann erklingt ein Schrei, dann noch einer und noch einer. Schnell wird klar: Dieses Mobile muss nicht nur einen kleinen Floh beruhigen, sondern drei. Pro Entchen ein Baby. Ganz schön viel zu tun - vor allem für Mama Tanja Giese.

Am 2. Feburar 2012 hat die Geesthachterin Drillinge geboren - ohne künstliche Befruchtung, ohne Hormone, einfach so. Eine echte Seltenheit: Im Jahr 2010 sind laut Statistischem Bundesamt 258-mal Drillinge geboren worden. Ein leichter Anstieg gegenüber den Vorjahren, der vor allem Folge von Fruchtbarkeitstherapien ist. Nicht so bei Tanja Giese: "Ich habe keine Hormone genommen und auch in unseren Familien gab es sonst noch keine Mehrlingsgeburten. Die Gene haben wohl einfach gepasst", schmunzelt die 28-Jährige. Auch wenn die junge Frau froh ist über ihre drei Söhne, Tyler, Danny und Ricco, gibt sie zu: "Erstmal war ich ein bisschen geschockt." Schon bei der zweiten Ultraschall-Untersuchung entdeckte der Frauenarzt zwei Fruchtblasen: Das werden Zwillinge, lautete die Prognose. Doch bei der dritten Ultraschalluntersuchung setzte der Doktor noch einen drauf: "Ach, da sind ja drei Herztöne zu hören", verkündete er und offenbarte den werdenden Eltern: "Sie bekommen Drillinge."

Für Vater Ronny (33) kein Problem. "Er hat sich sofort gefreut, hatte überhaupt keine Ängste", sagt Tanja Giese. Sie machte sich da schon mehr Gedanken. Zwar wollte die junge Frau immer mindestens zwei Kinder, aber drei auf einmal ist doch ein Ausnahmefall. "Wir brauchten ein größeres Auto, denn drei Kindersitze passen auf keine normale Rückbank." Einen Kinderwagen hat sie in Australien bestellt. "Die Wagen, die es hier für Drillinge gibt, sind sehr breit, passen durch keine Tür." Am 2. Februar war es dann so weit. Im siebten Monat mussten die Drillinge geholt werden, viel zu früh. Nur dreieinhalb Kilogramm wogen alle zusammen. Es folgten neun anstrengende Wochen für die jungen Eltern. "Die Kinder mussten in der Asklepios Klinik in Barmbek bleiben und ich bin jeden Tag hingefahren." Seit zwei Wochen sind die Säuglinge nun endlich daheim und aus dem Gröbsten raus.

Doch aufregend bleibt die Zeit. Ist für eine frisch gebackene Mutter ohnehin schon alles neu, macht Tanja Giese diese Erfahrung mal drei. Egal, ob zum Einkaufen oder für einen Arztbesuch - Tanja Giese braucht jetzt helfende Hände. "Ich kann ja nicht alle gleichzeitig tragen. Und der Kinderwagen ist für viele Termine zu wuchtig." Zum Glück hat die Geesthachterin liebe Nachbarn und Freundinnen, die mit anpacken, während Ehemann Ronny als Gerüstbauer arbeitet. An eine Rückkehr in ihren Job im Verkauf denkt Tanja Giese erst in zwei Jahren. Dann sollen ihre drei Jungs in der Kita auch mal ohne Mama auskommen. Und die Entchen am Mobile können sich zur Ruhe setzten.