Seespektakel

Abtauchen ins Mittelalter

Geesthacht. Hexe Chibraxa, Schlangenzauberer Abraxo, die Rocker von "Cultus Ferox", edle Ritter, geheimnisvolle Kartenlegerinnen, Töpfer, Schmied und Barbier - das mittelalterliche Seespektakel auf dem Menzer-Werft-Platz bot am Wochenende besondere Einblicke ins Leben längst vergangener Zeiten.

Am Elbufer hatten etwa 400 Darsteller ihre Zelte aufgebaut, Feuerstellen errichtet und zum Besuch eingeladen.

Zum zweiten Mal war der Platz auf der Elbhalbinsel zwei Tage lang in eine mittelalterliche Szene verwandelt worden.

"Wir sind Mittelalter-Fans und versuchen so oft es geht, bei diesen Treffen vom stressigen Alltag der Woche abzuschalten", sagt Sebastian Pesch aus Langfeld bei Rendsburg. Gemeinsam mit seiner Frau Petra und Sohn Janosh (3) war er am Sonnabend stilecht gekleidet beim Seespektakel als Gast dabei. "Die Preise sind zwar nicht familienfreundlich, aber darauf sind wir eingestellt", sagte er. Eintritt für eine Familie: 20 Euro. Bratwurst vom Grill: drei Euro. Foto mit Falke: zehn Euro. Es gab kaum etwas kostenlos auf dem Platz, dennoch kamen mehrere Tausend Menschen.

"Wir bieten ein tolles Programm auf der Bühne und dem Festplatz, ein buntes Handwerk an den Ständen und viele Gelegenheiten, vor allem für Kinder, selbst aktiv zu werden", sagte Organisator Olaf Schulz. Er ist von Frühjahr bis Herbst mit seinen Darstellern in ganz Norddeutschland unterwegs, lässt überall das Mittelalter wieder aufleben. Eine Szene, die sehr im Trend liegt. Einige leben ihr Hobby, andere finanzieren ihr Leben damit. So wie Schmied Marko Knobelsdorf vom Darß. "Ich möchte das alte Handwerk bewahren", erklärt er - und räumt ein, dass mit "normalen" Aufträgen in seinem Beruf kein Lebensunterhalt mehr möglich sei. Deshalb schmiedet er Rüstungen und Schwerter nach mittelalterlichen Vorlagen.

Walter Zell aus Macken war mit seinen Falken zum Seespektakel gekommen. Eigentlich ist er mit seinen gefiederten Freunden auf einem Flugplatz im Einsatz. Dort verscheuchen die Falken andere Vögel, um den Luftverkehr nicht zu gefährden.

"Es ist total interessant gemacht hier", schwärmte Verena Rieper aus Jork von dem Mittelalterfest an der Elbe. Ohrspülungen mit Schlangenöl, Jonglagen des Gauklers Immernochfrank und viele Attraktionen mehr begeisterten die Zuschauer. "Der Platz hier ist sehr chic und gut geeignet für so eine Veranstaltung", sagte Schulz zufrieden.

Einziger Minuspunkt: Erneut waren wie 2011 der Elbuferwanderweg und der Beachclub durch die Einzäunung abgesperrt. Bei der Polizei gab es Beschwerden. Eigentlich hätte der Weg frei sein sollen.