Wahl 2012

"Das AKW muss abgebaut werden"

Geesthacht. Zwei Tage lang unterstützt der Grünen-Bundesvorsitzende Cem Özdemir seine Partei im Landtagswahlkampf. Bei einer Kurzvisite in Geesthacht bekannte sich der Spitzenpolitiker gestern vor allem zu einer künftigen Koalition mit der SPD im Kieler Landtag.

"Wir haben am 6. Mai die klare Chance, nach dem Chaos von Schwarz-Gelb mit starken Grünen endlich eine nachhaltige Politik für Schleswig-Holstein zu machen", sagte Özdemir. Ziele einer rot-grünen Koalition seien eine schnelle Sanierung des Haushalts, eine echte Bildungspolitik und die Energiewende, sagte der 46-Jährige.

Eine klare Absage erteilte der Grünen-Chef beim Gespräch mit unserer Zeitung den Gedankenspielen von Betreiber Vattenfall, das Kernkraftwerk Krümmel nach dem Atom-Aus nicht zurückzubauen, sondern nur dauerhaft zu verschließen. "Die Betreiber müssen in die Verantwortung genommen werden. Das Atomkraftwerk Krümmel muss abgebaut werden", sagte Özdemir. "Ich würde mir wünschen, dass an der Stelle, wo heute das Atomkraftwerk steht, Schulklassen bald ein Mahnmal besuchen können, das an den Irrweg erinnert, auf dem die Menschheit mit der Atomkraft war." Ein Ziel, das auch der Geesthachter Landtagskandidat Ali Demirhan verfolgen möchte. "Ich werde mich in Kiel enorm dafür einsetzen, dass das Kraftwerk schnell wegkommt", so Demirhan.

Eine gestern veröffentlichte Studie der Umweltschutzorganisation Greenpeace, nach der der Rückbau aller deutschen Atomkraftwerke die Rücklagen der Stromkonzerne deutlich übersteigt, nutzte Özdemir, um an die finanzielle Verantwortung der Betreiber zu erinnern. "Wir werden in der Landesregierung dafür sorgen, dass sich Vattenfall nicht einfach vom Acker macht."

Wenig Sorge bereitet dem Wahlkämpfer die Piratenpartei, die in Umfragen erstmals die Grünen in der Gunst der Wähler überholt hat. "Wir tun die Piraten nicht als bloße Protestpartei ab, sondern messen sie an ihren Inhalten. Und da reicht es eben nicht, bloß Bildung für alle oder kostenlosen ÖPNV zu fordern, ohne zu beantworten, wie es angesichts knapper Kassen konkret umgesetzt werden soll", so Özdemir. "Wer in Schleswig-Holstein die Piraten wählt, unterstützt mit seiner Stimme letztlich nur eine große Koalition und damit großen Stillstand."