Bürgerverein

Ein Herz für Grünhof-Tesperhude

Geesthacht. Als modern gilt heute, sich in originellen Sportarten wie Bikram-Yoga oder Kitesurfen zu üben oder Latte macchiato schlürfend in einem Straßencafé auf dem Pad-Computer herumzuwischen.

Sich in einem Bürgerverein zu engagieren, rangiert auf der Liste hipper Hobbys wohl eher weiter unten. Warum eigentlich, fragt man sich. Vor allem, wenn man nach Grünhof-Tesperhude blickt. Der dort vor sechs Jahren gegründete Bürgerverein ist zu einer politischen Macht geworden. Aus 21 Mitgliedern wurden 572 - und das, obwohl der Geesthachter Ortsteil gerade mal 3000 Einwohner zählt. Wenn der Bürgerverein Ideen hat, tun Geesthachts Politiker gut daran, sich diese zumindest anzuhören.

Kein Wunder, dass bei der jüngsten Jahreshauptversammlung des Vereins auch jede Menge lokale Politprominenz vor Ort war. Ratsherr und Neu-Grünhof-Tesperhuder Sven Minge (CDU), Bürgervorsteher Peter Groh (CDU) und Jens Schumann (SPD) traten sogar in den Verein ein. Schumann und Groh übernahmen gleich das Amt der Kassenprüfer. Auch einen neuen Vorsitzenden gibt es: Werner Tepper. Sigrid Zaruba hatte den Vorsitz seit Gründung inne und gab das Amt nun aus beruflichen Gründen ab. Stellvertreter sind Eitel Plewka und Horst Baumbach. Hiltraud Otte bleibt Schriftführerin. Sie blickt stolz auf das Erreichte zurück: "Wir haben viel geschafft"; sagt sie.

Ein Flaggensignalmast wurde auf Betreiben des Vereins errichtet, eine Sichtschneise am Tesperhuder Strand frei geschnitten, zwei Parkbänke am Elbewanderweg aufgestellt, Verbindungswege angelegt, das Ehrenmahl, die Bronzezeitgräber und der Teich gereinigt. Hinzu kommen Bürgernachmittage einmal pro Monat, ein Weihnachtsmarkt mit allen Vereinen, Ausfahrten und Aktionen für Kinder, wie der bewegliche Adventskalender. Ein Ziel, für das die Vereinsmitglieder lange gekämpft haben, scheint nun in greifbarer Nähe: ein Discounter an der B5. Ein Netto-Marken-Discount ist im Gespräch, 800 Quadratmeter Verkaufsfläche am Krukower Weg. Die Pläne von Investor Daniel Bauer liegen bereits vor. Die Vereinsmitglieder wollten schon lange einen großen Supermarkt in der Nähe. Auch die Umgehungsstraße und einen Ausbau des Elbe-Radwegs zwischen Grünhof-Tesperhude und Geesthacht sind Ziele, die der Verein unterstützt.

Die Herausforderung der kommenden Jahre wird sein, jüngere Menschen für die aktive Arbeit im Verein zu begeistern, weiß der designierte Vorsitzende Werner Tepper: "Wir müssen etliche Mittdreißiger und -vierziger ansprechen und zur Mitarbeit überreden", sagt der 68-Jährige. Auch den Traum von einem eigenen Bürgerhaus haben die aktiven Bewohner von Grünhof-Tesperhude noch nicht so ganz aufgegeben, obwohl die Kooperation mit dem Vereinsheim an der Westerheese gut klappt. "Ein eigenes Haus ist einfach zu teuer", weiß Hiltrud Otte. "Wunder dauern länger", meint Werner Tepper augenzwinkernd.

Wer sich über den Bürgerverein Grünhof-Tesperhude informieren will, kommt zum Bürgernachmittag am Mittwoch, 18. April. Beginn: 15 Uhr in der Feuerwache, Grünhofer Straße 50.