Syrien

Große Sorge um die ferne Heimat

Börnsen. BBC und CNN - täglich sieht sich Naji Nassrallah in diesen Wochen die Nachrichten an. Der Gastwirt aus Börnsen ("Najis Mittelmeerbahnhof") ist in großer Sorge um sein Heimatland Syrien. Anschläge, Bomben, Schießereien, Plünderungen und Folter: 9000 bis 10 000 Menschen sollen mittlerweile bei den Kämpfen der Rebellen gegen das Regime Baschar al-Assads ums Leben gekommen sein.

Die Zustände sind nach Einschätzung der Uno katastrophal.

"Aber vieles, was in den Nachrichten gesagt wird, stimmt nicht", sagt der 59-Jährige. Das erfährt er dann, wenn er seinen Bruder anruft, der mit seiner Familie in Dumar lebt, einem Ort zwischen Damaskus und der libanesischen Grenze. "Hier ist alles ganz normal, wir sitzen auf dem Balkon", habe sein Bruder neulich am Telefon gesagt, als eine Explosion in dem Ort gemeldet worden war. Der 66-Jährige arbeitet als Dozent an einer Privatuniversität und muss - wie die ganze Familie in Syrien - zurzeit mit vielen Einschränkungen zurechtkommen.

"Es gibt häufig Stromausfälle und die Preise sind stark gestiegen. Für den Euro muss man jetzt das Doppelte bezahlen", erzählt Naji Nassrallah. Das Schlimmste seien jedoch Angst und Unsicherheit, die überall herrschten. Niemand traue sich nachts noch auf die Straße, die Furcht vor Überfällen und Anschlägen sei allgegenwärtig. "Das war früher anders. Als meine Tochter dort Arabisch studierte, konnte sie nachts um zwei auf der Straße unterwegs sein und war sicher", sagt Nassrallah. Er ist schon 1971 fortgezogen, bereiste als Kapitän die Weltmeere und machte sich schließlich als Gastronom selbstständig.

Doch Nassrallah fühlt sich Syrien weiterhin verbunden, jedes Jahr hat er seine alte Heimat besucht. In diesem Frühjahr blieben er, seine Frau Elke und die beiden erwachsenen Kinder jedoch erstmals zu Hause. Dabei ist die Sehnsucht groß. "Syrien ist so ein wunderschönes Land mit einer tollen Küche, einer langen Geschichte und großer kultureller Vielfalt", sagt Naji Nassrallah.

Noch nicht einmal die Gewürze mit dem heimatlichen Duft, die herrlich süßen Backwaren und den syrischen Kaffee, die er in seinem Restaurant braucht, bekommt er zurzeit geschickt. Denn sein Lieferant fürchtet Überfälle und Plünderungen, Flüge wurden gestrichen.

Alle Verwandten von Naji Nassrallah in Syrien sind Christen - eine Minderheit in dem Land, das 22,5 Millionen Einwohner hat. Mehr als 70 Prozent der Syrer sind Sunniten (die Hauptströmung des Islam). "Früher haben sich alle verstanden, ob Moslems, Christen oder Kurden", sagt Naji Nassrallah. Er ist sich sicher, dass bei den gegenwärtigen Kämpfen viele auswärtige Kräfte ihre Finger im Spiel haben - "auf beiden Seiten. Es ist schlimm, dass in Syrien jetzt so viel Blut vergossen wird", sagt er. Alles, was er sich erhoffe, sei Frieden - und Demokratie: "Ich wünsche mir eine demokratische Regierung und Sicherheit für Syrien. Die Religion sollte dabei zweitrangig sein."