Pyrotechnik

Feuerzauber aus Geesthacht

Geesthacht. Feuer und Wasser schließen sich eigentlich gegenseitig aus. Wo Wasser ist, da brennt es nicht. Eigentlich. Nicht so bei Michael Graba und seinem Team von TBF PyroTec: Die sieben Spezialisten für Spezialeffekte haben eine brennende Wasserfontäne entwickelt.

Und das ist nur ein spektakuläres Feuer, das die an der Lichterfelder Straße ansässige Crew auf Kundenwunsch lodern lässt. "Big Flame" oder "Flame Master" sind die Namen der mobilen Geräte, die die Spezialisten in Geesthacht entwickeln, bauen und vertreiben. Kaum ein Rockstar kommt bei seinen Bühnenshows heute noch ohne die Spezialeffekte aus. Aber auch die Oper in Berlin setzt gerade eine 40 Meter lange Feuerwand "Made in Geesthacht" auf der Opernbühne ein.

Vor zwölf Jahren hatte Michael Graba die Idee, sich endlich seinen Kindheitstraum zu verwirklichen. "Feuerwerke haben mich schon immer fasziniert", berichtet der 61-Jährige. Ursprünglich hatte er Chemie studiert, dann in verschiedenen Laboren gearbeitet, unter anderem Rauschgift, Abfälle und Lebensmittel analysiert. Dann sattelte Graba um. In Dresden besuchte er eine der renommiertesten Schulen für die Ausbildung von Pyrotechnikern. Anfangs bot er ausschließlich große Feuerwerke an, doch schnell kamen weitere Aufgaben hinzu. Im "Tatort", in "Ein Fall für Stubbe" und bei den "Männern vom K 3" ließ er es im Fernsehen mächtig krachen. "Ich habe in den vergangenen Jahren schon jede Menge Autos gesprengt", erinnert sich Graba.

Weil für seine Aufgaben oft auch Spezialgeräte nötig waren, begann er mit deren Entwicklung und Bau. Damit war TBF PyroTec gegründet. "Wir bauen die ganze Mechanik selbst und sorgen für Antriebe und Steuerungen, damit alles wunschgemäß funktioniert", berichtet Graba, der mittlerweile sechs Mitarbeiter beschäftigt. Als 2011 eine angemietete Halle in Hamburg nicht mehr zur Verfügung stand, suchte der 61-Jährige einen neuen Standort und wurde in Geesthacht fündig. Graba kaufte eine Halle an der Lichterfelder Straße. "Jetzt wollen wir eine zweite Halle anbauen und werden auch unser Personal weiter aufstocken", sagt er.

Gerade sind die Geesthachter Spezialisten von der Messe "Prolight & Sound" in Frankfurt zurück. "Das ist für uns super gelaufen", so Graba. TBF PyroTec hatte auf der Fachmesse die aktuellen Neuentwicklungen präsentiert.

Die olympischen Komitees in Asien und Griechenland haben ebenso schon auf Produkte von TBF gesetzt wie namhafte Vergnügungsparks, bekannte Bands oder der Eurovision Song-Contest beim Sieg von Lena vor zwei Jahren.

In Kasachstan wurde zuletzt für die asiatischen Winterspiele eine rund 25 Tonnen schwere Feuerschale aufgebaut, die unter besonderen Verhältnissen brennen sollte: Temperaturen von minus 45 Grad und zwölf Windstärken. "Selbst feuerfeste goldene Farbe haben wir schon entwickelt", sagt Graba - als Anstrich für eine Feuerschale. Aber auch Kunstblut, Brandpasten, im Sommer vereiste Wiesen und viele Spezialeffekte mehr hat er auf Lager. "Wir leben von unseren Ideen, entwickeln pro Jahr zwei Neuheiten", erklärt der Geschäftsführer. Und weil er dabei immer wieder auch Kontakt zu Feuerwehrleuten bekommen hat, die sich sichere Trainingsanlagen wünschten, entwickelt er die jetzt ebenfalls. Das passiert zusammen mit der Tochterfirma Hazard Trainer, die unter anderem brennende Mülltonnen, Übungspuppen und weitere Einheiten für praktische Löschtrainings aus robustem Edelstahl anbietet.