Pilotprojekt

Wie Bauern besser düngen

Geesthacht. Gülle, Stallmist und künstliche Düngemittel haben einen entscheidenden Nachteil: Wird zuviel davon auf den Feldern ausgebracht, droht bei Regen die Gefahr durch Auswaschung, Nitrate können ins Grundwasser gelangen.

Landwirte aus dem Lauenburgischen entwickeln in einem Pilotprojekt jetzt neue Techniken und Möglichkeiten, die Düngung zu optimieren. "Ziel ist es, nur so viel Düngemittel einzusetzen wie tatsächlich für das Wachstum der jeweiligen Pflanzen benötigt wird und das nach der Ernte der Nitrat-Gehalt möglichst gering ist. Dann kann im Winter bei Regen oder Schmelzwasser im Boden nichts auswaschen und in den Boden sickern", erklärt Dr. Hartmut Geries von der "Geries Ingenieure GmbH", der das Projekt betreut.

Bereits seit dem Jahr 2000 gilt eine Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union (EU), in der hohe Anforderungen an den Schutz von Gewässern gestellt werden. Die sogenannte Durchgängigkeit von Fließgewässern ist einer der Punkte, der schon lange umgesetzt wird. Eine Maßnahme war der Bau der neuen Fischtreppe an der Elbe bei Geesthacht.

In einem nächsten Schritt geht es jetzt darum, den Eintrag von Nitrat und Pflanzenschutzmitteln ins Grundwasser zu reduzieren. Weite Teile des Kreises Herzogtum Lauenburg wurden in das Pilotprojekt aufgenommen, weil die hier vorherrschenden sandigen Böden als sehr durchlässig gelten. 20 landwirtschaftliche Betriebe sind dabei, darunter auch Michael Schulz aus Gülzow und Adolf Heins aus Breitenfelde.

"Wir testen viele Ideen praktisch und werten diese genau aus, um zu sehen, ob die Maßnahmen funktionieren", berichtet Heins. "Wir schaffen Grundlagen, von denen dann langfristig alle Berufskollegen profitieren können", sagt Schulz. Denn Schweinegülle und Stallmist gelten als wichtiges Wirtschaftsgut. Wer gezielt düngt, kann viel Geld sparen.

In einem Gewässerschutzforum sitzen nicht nur die Landwirte mit den begleitenden Ingenieuren an einem Tisch. Mit dabei sind auch die Vertreter der Wasser- und Bodenverbände sowie andere Fachleute aus der Region. Geries: "Wir haben tolle Partner gefunden."

Während beispielsweise Gülle früher großflächig auf den Feldern verteilt wurde, gilt das bodennahe Aufbringen durch Spezialtankwagen mit Schläuchen als Technik der Zeit. Schulz: "Wir arbeiten jetzt mit einem neuen Verfahren. Wir schlitzen den Boden auf und geben die Gülle direkt in diesen Schlitz."

Dadurch kann der natürliche Dünger viel gezielter und vor allem effektiver als bisher aufgebracht werden. "Wir kommen mit unserer eigenen Gülle dadurch viel weiter, so sparen wir diesen wichtigen Rohstoff und eigene Einkaufkosten", sagt der Gülzower Landwirt.

Pro Hektar werden auf den sandigen Böden etwa 20 Kubikmeter Gülle verteilt. "Dieser Rohstoff ist sehr wertvoll, hier wird nichts einfach verklappt", sagt Schulz. Vorteil des Einbringens der Gülle in den geschlitzten Boden: Die sonst übliche Geruchsbelästigung bleibt fast komplett aus.

Regelmäßige Bodenanalysen geben den Landwirten Aufschluss darüber, wie sich der Nährstoffgehalt im Boden ihrer Felder entwickelt. "Um den Gehalt an Nitrat zu senken, wird oft auch auf eine Winterbegrünung, etwa durch Senfsaat, gesetzt", erklärt Geries. Durch die Messreihen soll Transparenz für das Projekt geschaffen werden. "Ziel ist es, dass alle Landwirte von den besten Techniken lernen können", sagt der Ingenieur.

"Durch das Projekt bin ich bereits viel sensibler für die ganze Thematik geworden", sagt Michael Schulz. Er lässt beispielsweise Feldstreifen an Gewässern brachliegen, damit ausreichend Abstand des gedüngten Bereiches besteht. "Wir haben eine exzellente Aufarbeitung unserer Daten und nach einem entsprechenden Einwand soll das Projekt jetzt auch langfristiger als ursprünglich gedacht laufen", freut sich Heins.