Wahl 2012

Ein Tallymann für soziale Gerechtigkeit

Geesthacht (knm). "Come Mister tally man, tally me banana" - Harry Belafonte machte das jamaikanische Volkslied, den Banana Boat Song, zu einem Welthit. Für Egon Bargisen hat der Titel eine besondere Bedeutung. Denn er war fast 40 Jahre lang ein "tally man" oder eingedeutscht ein Tallymann.

So lange hat er im Hamburger Hafen nämlich als Ladungskontrolleur gearbeitet, war Mittler zwischen Reeder und Makler, hat Kaffee, Kakao, Kali, Fischmehl und Schüttgut erfasst, erst als Stückgut, dann in Containern. "Nur Bananen, die sind nicht durch meine Hände gegangen", schmunzelt Bargisen. Für Geesthachts Linke tritt das Hamburger Urgestein, das seit zehn Jahren in Geesthacht heimisch ist, als Direktkandidat für die Landtagswahl an.

"Natürlich weiß ich, dass ich als linker Direktkandidat keine großen Chancen habe, aber ich bin bekannt in Geesthacht." Außerdem gehöre es doch zum politischen Engagement dazu, für Ämter bereit zu stehen. Nicht immer stand Bargisen dabei im politisch linken Feld. Im Gegenteil: "Ich war 33 Jahre lang Mitglied der CDU, bis zum Jahr 2008." Lange habe er den Eindruck gehabt, dass vieles in Deutschland gut funktioniert. Nach der Wende änderte sich diese Ansicht nach und nach. "Viele ostdeutsche Kollegen mussten Doppelschichten arbeiten und wurden mit Billiglöhnen abgespeist." Auch die Gesundheitsreform hielt Bargisen für ungerecht. Als er dann 2008 in der Zeitung las, dass sich eine Kreisgruppe der Linkspartei gründen wolle, ist er hingefahren. "An dem Tag habe ich meine CDU-Austrittserklärung unterschrieben." Auf dem Treffen lernte Bargisen Sabine Heinzel-Große kennen. Heute sind die beiden Parteivorsitzende von Geesthachts Linken und Mitglieder der Ratsversammlung. Egon Bargisen sitzt außerdem im Bau- und im Hauptausschuss. "Neben dem Beruf hätte ich das zeitlich nicht geschafft", sagt der 65-jährige Rentner. Egon Bargisen liegt vor allem die Sozialpolitik am Herzen. Er setzt sich für eine kostenlose Schülerbeförderung und Bildung ein, für kostenfreie Kitaplätze ab dem Dritten Lebensjahr. "Vielleicht sollten sie im Hinblick auf die Integration sogar verpflichtend sein. Schließlich lernen Kinder zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr am besten", sagt Bargisen. Das Gegenargument, dass das alles nicht bezahlbar sei, lässt er nicht gelten. "Wenn man Angst hat, Leuten, die sehr viel Geld haben, etwas wegzunehmen, funktioniert das natürlich nicht." Der Linkspolitiker setzt sich entsprechend für weniger Steuervergünstigungen für Reiche und eine Vermögenssteuer ein.